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Kommentar Wirtschaft: Künstlich kleingerechnet

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<span></span> Foto: (FNP)

Seit gestern liegen die europaweiten Zahlen vor, und nun ist klar: Vor allem in Deutschland ist die Inflationsrate im Dezember überraschend kräftig auf 1,7 Prozent nach oben geschossen. Im Nachbarland Frankreich liegt sie nur halb so hoch, in Italien noch niedriger; in manchen südeuropäischen Krisenstaaten sinken die Preise sogar weiterhin.

Als Ursache der anziehenden Inflation wird stets der kräftig gestiegene Ölpreis genannt, doch das ist höchstens die halbe Wahrheit: Rohöl war Ende 2016 zwar teurer als ein Jahr zuvor (im Januar wird der Unterschied noch krasser ausfallen), doch hat der zuletzt extrem schwache Euro diese Entwicklung noch deutlich verstärkt. Die europäische Gemeinschaftswährung war im Vergleich zum Dollar noch im November etwa so viel und zeitweise sogar mehr wert wie ein Jahr zuvor. Ende 2015 hatte dann ein zwischenzeitlicher Höhenflug des Euro eingesetzt, bis Donald Trumps Wahlsieg in den USA dem endgültig ein Ende machte.

Sollten Euro und Rohölpreis auf dem jetzigen Niveau verharren, so wird Energie allein durch Währungseffekte in den nächsten Monaten deutlich teurer werden; der Höhepunkt wäre erst im Mai erreicht. Die Euro-Schwäche war absehbarer und auch angestrebter Nebeneffekt der EZB-Politik, die an Anleihenkäufen und Niedrigzins festhält, während die Fed die geldpolitischen Zügel bereits wieder strafft, die Anleihekäufe eingestellt und die Leitzinsen angehoben hat.

Daher muss die EZB nun auch die Konsequenzen ziehen und die Anleihekäufe zumindest nicht über den März hinaus fortsetzen; während sie monatlich Milliarden in den Markt pumpt, ist die mittlerweile angebrachte Zinserhöhung undenkbar. Doch stattdessen verweist die Notenbank zur Rechtfertigung ihres Kurses auf eine künstlich kleingerechnete, just den Öl- und Währungseffekt ausklammernde „Kerninflation“. Dabei wird die wirkliche Rate, allein wegen des zum Teil von der EZB zu verantwortenden Währungseffekts bei den Energiepreisen, auch im Januar deutlich nach oben gehen. Und das hat nichts mit den üblichen Schwankungen beim Ölpreis zu tun, die man (wie bei Nahrungsmitteln) zur Langfristplanung sinnvollerweise herausrechnet. Auch importierte Inflation ist echte Inflation.

In Deutschland wirkt zudem die gute Konjunktur, die zu kräftig steigenden Löhnen und Gehältern führt, preistreibend. Zudem dürfte Trumps Wahlsieg, auch wenn viele Details seines Programms noch unklar sind, weitere Effekte zeigen: Konjunkturprogramme werden die Teuerung nicht nur in den USA, sondern weltweit anheizen. Und mehr Protektionismus (nicht nur in Amerika, sondern auch in Brexit-Großbritannien) wirkt tendenziell ebenfalls preistreibend; die fortschreitende Globalisierung war eine, wenn nicht die maßgebliche Ursache für die niedrigen Inflationsraten der vergangenen Jahre.

Das alles bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Teuerungsschub auch im zweiten Halbjahr anhalten wird. Doch zumindest für die nächsten Monate ist das Inflationsgespenst zurück – und verschreckt angesichts der aktuellen Niedrigzinsen die Sparer (bei denen die Kaufkraft ihrer Guthaben dahinschmilzt). Doch können sie sich noch nicht einmal in Sachwerte (wie Immobilien) flüchten – bei denen hat die EZB die Preise ja noch stärker nach oben getrieben.

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