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Leitartikel: Organspende: Zu wenig Schutz vor Missbrauch

Allein der Diskussionsprozess zum Transplantationsgesetz hat schon einiges bewirkt. Es wird jetzt in vielen Haushalten darüber diskutiert – über die Notwendigkeit, Organe zu spenden, über die Ängste und Sorgen, die trotz aller gesetzlicher Sicherungen und rationaler Betrachtung immer mitschwingen.
Lothar Klein Lothar Klein

Bedeutet das Ja zur Spendenbereitschaft ein höheres Risiko, eines Tages schneller für tot erklärt zu werden? Es geistern immer wieder abschreckende Beispiele durch die Medien. Aber dieser Zustand, die öffentliche wie private Diskussion, ist allemal sinnvoller als das jahrelange Wegsehen. Denn das Thema Organspende geht alle an: Kranke, Gesunde, Betroffene oder Angehörige. Organspende ist ein Thema, das alle betrifft und von dem sich jeder so weit wie möglich fernhalten will. Jetzt ist es immerhin ins Zentrum des Interesses vorgedrungen. Das ist ein Wert an sich.

Denn Fakt ist: Es gibt weniger Organspender als potenzielle Empfänger, die um ihr Leben bangen. Immer noch. Zwar ist die große Mehrheit in Umfragen zur Organspende bereit. Aber nur 17 Prozent besitzen einen Spenderausweis. In Deutschland warten 12 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Jeden Tag sterben drei Patienten, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ zur Verfügung steht. Knapp 4000 Transplantationen werden jährlich erfolgreich durchgeführt. Doch es müssten viel mehr sein.

Das gestern verabschiedete Transplantationsgesetz wird sicher keinen "Spendenboom" auslösen. Auch wenn die parteiübergreifende Gesetzgebung Rücksicht genommen hat auf viele Einwände und Bedenken. Herausgekommen ist ein Kompromiss, der auf einen Zwang zur Erklärung verzichtet. Das hätten die Bürger bei dieser ethisch wie persönlich sensiblen Entscheidung nicht akzeptiert.

Mit der Verpflichtung für Krankenhäuser, einen Transplantationsbeauftragten einzurichten, versucht das Gesetz Bedenken hinsichtlich der medizinischen Qualität und Sicherheit zu begegnen. Das gilt auch für die Bestimmung, die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) solle den Ablauf einer Organspende zwischen allen Beteiligten, den Angehörigen der Spender, Entnahme-Krankenhäusern und Transplantationszentren sowie Empfängern koordinieren.

Mit der Freigabe der Spenderdaten zu Forschungszwecken unterläuft das Gesetz aber sein eigenes Ziel, zuverlässige Rahmenbedingungen herzustellen. Wer garantiert, dass sensible Spenderdaten nicht doch auf Umwegen in unbefugte Hände geraten? Das berechtigte Interesse der Forschung schwächt an dieser Stelle das eigentliche Anliegen, den Spendern größtmöglichen Schutz zu bieten. Immerhin: Das Transplantationsgesetz verbessert die Rahmenbedingungen für ein Ja zur Organspende. Am Ende bleibt aber die persönliche Entscheidung. Und dabei spielt neben der Ratio die Emotion eine wichtige Rolle. Das kann kein Parlament per Gesetz regeln.

politik@fnp.de

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