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Kommentar: Nahost: Bitte keine Trumpisierung

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Trifft seinen katarischen Amtskollegen in Wolfenbüttel: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel. Foto: Gregor Fischer Trifft seinen katarischen Amtskollegen in Wolfenbüttel: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel. Foto: Gregor Fischer

Im Nahen und Mittleren Osten ist die Situation so kompliziert und verworren, dass es absurd ist, diese Region in gute und böse Mächte zu unterteilen. Außer Israel gibt es praktisch keine Demokratie. Fast alle anderen Staaten werden autoritär regiert, manche wie Jordanien gemäßigt, andere brutal wie das Rest-Syrien Assads. Es kann insofern für den Westen eigentlich nur Allianzen auf Zeit geben. Mit wem man heute zusammenarbeitet, der kann morgen ein Todfeind sein. Im negativen Sinne ist unvergessen, wie einst die USA die Mudschaheddin hochgerüstet haben, damit sie die Sowjets in Afghanistan bekämpfen. Was daraus geworden ist, ist bekannt.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Insofern ist es auch mit Vorsicht zu genießen, wenn US-Präsident Donald Trump Saudi-Arabien jetzt gleichsam zu einem wunderbaren Partner erklärt und den Iran als Paten des Terrors verurteilt. Das ging so weit, dass Trump am Tag der zwei tödlichen Anschläge vergangene Woche im Iran pietätlos meinte, wer Terror unterstützt, müsse sich nicht wundern, wenn das auf einen zurückfalle.

Nun weiß zwar jeder, dass der Iran Islamismus und Terror von Muslimbrüdern, Hamas und Hisbollah fördert, aber er war in letzter Zeit berechenbar und hat das Atomabkommen mit dem Westen geschlossen. Außerdem gibt es Wahlen, die zwar nicht echt demokratisch waren, aber in der saudischen Monarchie gibt es überhaupt keine Mitbestimmung. Vor allem aber sollten auch die USA daran denken, dass Al-Kaida und der IS religiöse und personelle Wurzeln im saudischen Wahabismus haben. Es gibt dort seit Jahrhunderten eine Art Arbeitsteilung zwischen staatstragenden Kräften und religiös fanatischen. Dabei beruhigen nicht wenige Superreiche, die es sich im Hier und Jetzt gutgehen lassen, ihr Gewissen, indem sie islamistischen Terror finanzieren.

Das wissen auch die USA und Israel, die mit den Saudis gute Geschäfte machen und das Land als Ordnungsmacht der Region hofieren. Dabei sind die Saudis kaum besser als der Iran. Beide Mächte liefern sich Stellvertreterkriege in Syrien, Irak und Jemen. Es ist falsch und gefährlich, sich hier ganz auf eine Seite zu schlagen. Deshalb hat Außenminister Sigmar Gabriel jetzt auch in der Katar-Diskussion zu Recht vor „Trumpisierung“ der Nahost-Politik gewarnt. Das Schmähen des Emirats durch Saudis und die USA hat einzig und allein damit zu tun, dass Katar dem Iran näher steht als Riad. Man soll sich laut dem Sozialphilosophen Max Horkheimer nicht dumm machen lassen. Das gilt natürlich auch in Bezug auf die Interessenpolitik im Nahen und Mittleren Osten.

dieter.sattler@fnp.de

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