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Kommentar: Nahverkehr fährt längst elektrisch

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Foto: Christoph Schmidt (dpa)

Der Diesel gerät immer mehr unter Druck: Waren es in den vergangenen Jahren die hohen Feinstaub-Emissionen, so sind es jetzt die Stickoxid-Werte, die Phantasien beflügeln, den Selbstzünder-Motor ganz aus den Städten zu vertreiben. Die Städte sind ratlos, wollen Fahrverbote vermeiden und setzen auf Elektromobilität. Zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr, wo eine Kursänderung einfacher erscheint als beim Pkw. Schließlich sind nicht Millionen privater Autobesitzer betroffen, sondern lediglich ein paar Hundert Verkehrsunternehmen, die größtenteils in öffentlicher Hand sind.

Doch längst ist noch nicht entschieden, ob der batteriebasierte Elektroantrieb tatsächlich eine ökologisch sinnvolle Alternative zum Verbrennungsmotor ist. Erst vor wenigen Wochen hat die schwedische Energieagentur Zahlen veröffentlicht, wonach allein durch die Produktion einer heute üblichen leistungsstarken Batterie so viel Kohlendioxid entsteht wie bei 30 000 bis 100 000 Kilometer Fahrt mit einem Verbrennungsmotor. Bei Linienbussen, die ständig im Einsatz sind und schnell auf mehrere 100 000 Kilometer Fahrleistung kommen, spielt dieses Argument eine geringere Rolle als beim Pkw. Aber es gibt noch andere Probleme: Heizung und Kühlung, unverzichtbarer Komfort im öffentlichen Nahverkehr, fressen eine Menge Strom. Und durchs Nachladen geht in den eng getakteten Fahrplänen wertvolle Zeit verloren.

Günter Murr Bild-Zoom Foto: (FNP)
Günter Murr

Der wichtigste Grund aber, warum derzeit nur rund 500 der insgesamt fast 80 000 in Deutschland zugelassenen Busse elektrisch angetrieben werden, ist der Preis. Noch kostet die Steckdosen-Variante eines Linienbusses rund doppelt so viel wie ein Standard-Fahrzeug mit modernem Dieselmotor. Das ist für die Verkehrsbetriebe, die unter großem Kostendruck stehen, ohne zusätzliche Subventionen auf Dauer schlicht nicht zu leisten. Und dass die Verkehrsunternehmen aus sieben deutschen Städten, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben, bei den Herstellern günstigere Lösungen durchsetzen können, ist nicht gesagt.

Aber selbst wenn irgendwann einmal sämtliche Buslinien umgerüstet sein sollten, wird das die Luftqualität insgesamt nur wenig verbessern. Entscheidend ist, dass die Autos sauberer werden – und häufiger auch mal stehen gelassen werden. Vor allem in den Städten gibt es heute schon Alternativen: Viele Strecken lassen sich mit dem Fahrrad bewältigen, für andere Ziele gibt es den öffentlichen Nahverkehr. Diesen auszubauen, neue Verbindungen zu schaffen und die Pünktlichkeit zu erhöhen, ist das beste Rezept, um die Luftqualität zu verbessern. Die Frage des Antriebs ist bei den leistungsfähigsten öffentlichen Verkehrsmitteln längst geklärt: S-Bahn, U-Bahn und Tram fahren seit mehr als 100 Jahren elektrisch. Ganz ohne aufwendige Batterien.

Guenter.Murr@fnp.de

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