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Opel: Kein Interesse an Tohuwabohu im Revier

Von Michael Balk Die überraschend deutliche Ablehnung des Sanierungsplans durch die Bochumer Opel-Mitarbeiter zeigt klar auf, welch tiefes Misstrauen dort zwischen Belegschaft und Opel-Führung bzw. -Muttergesellschaft General Motors herrscht. Die Fronten sind extrem verhärtet.



Michael Balk Bild-Zoom Michael Balk Die Werksleitung bekräftigte nach der Abstimmungspleite noch einmal, was Aufsichtsratschef Steve Girsky schon vor Wochen angedroht hatte: Es wird keine Nachverhandlungen über die Zukunft des Standortes geben, und die Autoproduktion läuft definitiv Ende 2014 aus. Selbst die zuletzt für möglich gehaltene Beibehaltung von 1200 Arbeitsplätzen für eine Teilefertigung und ein Verteilzentrum sind nach dem Daumen-runter-Votum der Opelaner in weite Ferne gerückt. Ein gewaltiger Kahlschlag droht, Bochum in den Grundfesten zu erschüttern.

Auch Betriebsratschef Einenkel bleibt stur. Er ist davon überzeugt, die Opel-Führung in neue Gespräche zwingen zu können und unterm Strich ein besseres Ergebnis für die 3200 Beschäftigten herausholen zu können. Doch zunächst einmal sitzt das Unternehmen am längeren Hebel, Einenkel steht vorerst mit leeren Händen da. Er pokert hoch. Ob seine Trümpfe stechen, ist fraglich, aber nicht ausgeschlossen.

Irren dürfte sich der als Nervensäge bekannte Arbeiterführer mit der Annahme, dass Opel allein schon aus produktionstechnischen Gründen den Laden nicht schon Ende 2014 schließen könne. Für die Herstellung des Zafira gibt es – auch kurzfristig – Alternativen im In- und Ausland.

Einenkels wertvollste Trumpfkarte dürfte der neue Opel-Chef Neumann sein. Auf dessen Kollegialität und Vernunft setzt er. Denn Neumann ist es in kurzer Zeit gelungen, die chronisch depressiven Opel-Arbeiter für sich zu gewinnen und Aufbruchstimmung zu erzeugen – ein unbezahlbarer Motivationsschub.

Sollte der Poker mit den Bochumer Kollegen jedoch zu einem Dauer-Streit ausarten, könnte die Stimmung schnell wieder ins Gegenteil umschlagen. Derzeit ist Bochum als Standort zwar isoliert. Die Belegschaften in Rüsselsheim und Kaiserslautern haben sich für den Sanierungsvertrag ausgesprochen, ihre eigenen Schäfchen erst einmal ins Trockene gebracht und mit Bochum keinerlei Solidarität geübt. Doch das Blatt kann sich wieder wenden.

Das weiß Neumann genau. Und deshalb dürfte er auch sehr genau prüfen, ob ein dauerhaftes Tohubwabohu im kampferprobten Revier dem Betriebsfrieden wie der Außendarstellung des angeschlagenen Autobauers dienlich ist. Der Imagegewinn durch Kloppo-Effekt, Mokka und Adam wäre schnell wieder verspielt. Das Ergebnis von Neumanns Abwägen liegt daher auf der Hand. Darauf spekuliert Einenkel – und dürfte keine schlechten Erfolgsaussichten für Neuverhandlungen haben.
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