E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 27°C

Weirich am Montag: Osterlämmchen als Stimmveh

Prof. Dieter Weirich Foto: Eric Richard (priv.) Prof. Dieter Weirich

Die gestrige italienische Parlamentswahl offenbarte einen neuen Tiefstand in der Wahlwerbung. Possierliche Tierchen dienten als Stimmvieh. Vorgemacht hat es der 81 Jahre alte Gründer von Forza Italia, der Medien-Multi-Milliardär und mehrfache Ex-Premier Silvio Berlusconi, der ohne zu kandidieren ein politisches Comeback feierte.

Der „Polit-Methusalem“ hatte die dramatisch alternde Gesellschaft im Blick, als er für die Senioren Tierarztbesuche auf Staatskosten forderte. Ein Wahlplakat zeigte den Cavaliere, wie er mit der Flasche sein Osterlämmchen „Schneeflöckchen“ fütterte, das er zuvor mit vier anderen Artgenossen adoptiert hatte. Vom Genuss von Lammbraten riet der Neu-Veganer ab.

Was der verurteilte und damit nicht wählbare Steuersünder erst im Greisenalter entdeckt, haben andere längst gemerkt.

Allen voran die Grünen, deren eindrucksvolle Gründungs-Ikone Petra Kelly sich einst als „Kandidatin für Mensch und Tier“ empfahl. Glaubwürdigkeit beim Tierschutz erzielt man freilich nur durch praktisches Handeln, auch wenn das Thema seit 2002 im Grundgesetz als Staatsziel festgeschrieben ist. Weniger Tierleid bei der Haltung erreicht man beispielsweise durch Fortschritte im Kampf gegen die Massentierhaltung und tierversuchsfreie Forschungsmethoden, fordern die Grünen zu Recht.

Tiere schenken Wärme, Freundschaft und Treue, eignen sich aber auch wunderbar für politische Vermarktung. So darf der zweijährige Mischling Nomo im Elyseepalast dankbar sein, dass ihn Frankreichs Staatspräsident Macron aus einem Hundeheim adoptiert hat. In dieser feudalen Umgebung gibt es auch noch einen Hühnerstall, hat der Regent doch bei einer Landwirtschaftsmesse eine Henne geschenkt bekommen. Das braun gefiederte Tier soll das Frühstücksei für den Präsidenten liefern.

In Berlin mangelt es nicht an wilden Tieren. Im Kanzleramt hat man des nachts schon Füchse gesehen, den Alexanderplatz präferieren Waschbären und Wildschweine wüten in Zehlendorfer Vorgärten. In Angela Merkels Diplomatie spielen Tiere auch eine Rolle, so die Panda-Bären im Berliner Zoo, die bei chinesischen Staatsbesuchen als Stimmungsaufheller gebraucht werden.

Sonst weiß man von Merkel, dass sie vor Hunden Bammel hat, seit sie mal gebissen wurde. Unvergesslich das Bild ihrer Visite beim russischen Präsidenten Wladimir Putin, dessen mächtiger Labrador „Koni“ sich zu Füßen des Duos postiert hatte. Als Instrument der Einschüchterung, wie Verhaltenspsychologen meinten.

Sein Image als bissiger Hund in der Politik schüttelt der designierte bayerische Ministerpräsident Markus Söder zur Zeit auch durch den früher auf Krawall gebürsteten Hund seines Schwiegervaters ab. Der stets knurrende Wildfang hat inzwischen erkannt, was für ein liberaler und tierfreundlicher Landesvater Söder ist. Ziel der Imagekampagne Söders ist das Volksurteil: „A Hund is a scho“.

Zur Startseite Mehr aus Meinung der Redaktion

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen