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Plädoyer für das Machbare

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Die Debatte wird weitergehen: Wie viel Lärm verträgt eine Region? In Metropolen wie Paris oder London ist sie einst vergleichsweise geräuschlos geführt worden, auf dem Frankfurter Flughafen werden Reisende bei den Montagsdemonstrationen gerne mal mit Trillerpfeifen in den Urlaub oder sonstwohin verabschiedet. Die gestrige Vorstellung des hessischen Verkehrsministers Al-Wazir zu Lärmpausen wird den Protest nicht verstummen lassen. Dazu bleiben zu viele Fragen offen.

Punkt 1: Es wird für weiteren Unmut sorgen, dass es nicht möglich war, die neue Landebahn – ein Kernstück der bisherigen Auseinandersetzung – in keinem der Modelle – am Morgen für eine Stunde zu schließen. Eine Entlastung „für alle“, wie versprochen wurde, ist das nicht.

Punkt 2: Es ist zu befürchten, dass die betroffenen Kommunen nicht miteinander, sondern gegeneinander kämpfen werden, um das Maximum an Ruhe für ihre Bürger herauszuholen. Eine „einsame Entscheidung“ des Ministers wird es nicht geben, sagte er gestern. Aber wer entscheidet, wenn sich am Ende die Beteiligten nicht einigen können?

Punkt 3: Wird sich überhaupt das Gefühl von weniger Lärm einstellen? Egal, welches Modell im Gespräch ist: In der Praxis werden Vorhersagen, wer wann entlastet wird, nur schwer möglich sein.

Aber auch das ist richtig: Nirgendwo anders wird so hart um jeden Meter Landebahn gerungen und um jedes Dezibel weniger Lärm gestritten wie im Anwohnergebiet rund um den Frankfurter Flughafen. Mediation, Anti-Lärm-Pakt, Planfeststellungsbeschluss oder Gerichtsurteile erzählen davon. Nirgendwo sonst stellt sich ein Wirtschaftsminister unter die Protestler und den Buh-Rufen am Flughafen, während seine Basis an seine grüne Seele appelliert und er selbst sichtlich damit zu kämpfen hat, einen Kompromiss zu finden.

Nirgendwo sonst geht die CDU auf Landesebene einen „Pakt mit dem Teufel“ ein, wie es ein FDP-Politiker kürzlich formulierte, und versucht, das Thema Fluglärm mit den Grünen als einst schärfstem Widersacher gemeinsam zu verhandeln, ohne die Anzahl der Flüge zu verringern und damit den Frankfurter Flughafen und die Region im internationalen Wettbewerb zu schwächen. Und nirgendwo anders unternimmt ein Flughafenbetreiber so viele Anstrengungen, den Lärm zu minimieren, wo es nur geht.

Das alles ist einzigartig und gleichzeitig ein Plädoyer für Bürger-Engagement sowie politischen und unternehmerischen Gestaltungswillen. Die leidenschaftliche Debatte um Lärmpausen wird nach gestern weitergehen. Aber das ist auch gut so, um das Machbare auszuloten. Sie steht für die Menschen, die die Welt im Kopf, aber das Rhein-Main-Gebiet im Herzen haben.

olaf.kern@fnp.de

 

Modelle für Lärmpausen Fluglärm: Eine Stunde mehr Ruhe

Acht Monate wurde gewartet, die Spannung war groß: Wie würde Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sein Versprechen von siebenstündigen Lärmpausen umsetzen?

clearing

 

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