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Kommentar: Ryanair wird geerdet

Von Die Ryanair-Piloten streiken. Für Unternehmensboss Michael O'Leary beginnt damit eine neue Zeitrechnung.
Symbolbild Foto: Andreas Arnold Symbolbild
Frankfurt/Dublin. 

„Das hat man nun davon, wenn man Gewerkschaften als Vertreter seiner Beschäftigten anerkennt“, wird Michael O’Leary nun schimpfen. Über zweieinhalb Jahrzehnte hinweg hatte der Ryanair-Boss seinen Gewerkschafts-Boykott durchgehalten – „eher friert die Hölle zu“, als dass er, wie bei den Wettbewerbern üblich, Tarifverträge mit externen Arbeitnehmer-Vertretern abschließe, hatte er stets getönt. Erst Ende vergangenen Jahres gab er seinen grundsätzlichen Widerstand auf; anschließend erkannte er auch die deutsche „Vereinigung Cockpit“ (VC) als Verhandlungspartner an – und nun das: Die Piloten streiken. Dabei sind Flugzeugführer nach Auffassung des 57-Jährigen doch nur „überbezahlte fliegende Busfahrer“.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Sind die Piloten der irischen Billigfluggesellschaft tatsächlich überbezahlt? Je nach Zahl der Flugstunden können Flugkapitäne ein Bruttogehalt von bis zu 130 000 Euro pro Jahr erreichen. Das liegt zwar deutlich über dem bundesweiten Lohndurchschnitt, aber am unteren der Branchen-Skala. Insofern erscheint die Forderung der VC nach einem höheren Grundgehalt und geringenen variablen Gehaltsbestandteilen nicht überzogen. Allerdings geht es den Ryanair-Piloten in erster Linie nicht um mehr Geld, sondern um einen allgemeingültigen Manteltarifvertrag und damit einhergehende bessere Arbeitsbedingungen.

Beides ist dringend nötig: Auch in Deutschland sind immer noch viele der Piloten scheinselbstständige Arbeitnehmer ohne soziale Absicherung. Und die Mehrheit der Cockpit-Angestellten hat zwar einen Arbeitsvertrag – aber obwohl sie ihre Basis beispielsweise in Frankfurt haben und hier leben, handelt es sich dabei um einen Vertrag nach äußerst laxem irischem Recht. Heißt unter anderem: Die Arbeitnehmer genießen keinen Kündigungsschutz; bei schwacher Auslastung werden sie für mehrere Wochen unbezahlt nach Hause geschickt; auch im Urlaub und im Krankheitsfall gibt’s kein Geld; die Absicherung im Alter ist geringer als bei der deutschen Rentenversicherung; Ruhe- und Arbeitszeiten sind nicht verbindlich geregelt. Da muss man weder ein Freund der streikfreudigen VC sein noch eines Wettbewerbers wie der Lufthansa, um die Arbeitsniederlegungen gut zu heißen.

Dabei ist absehbar, dass dem morgigen Streik noch weitere folgen werden, bis sich das Management um O’Leary zu echten Konzessionen bereiterklärt. Nicht so sehr, weil höhere Kosten gleich das ganze Geschäftsmodell des irischen Preisbrechers über den Haufen werfen würden. Natürlich würden Zugeständnisse den Ertrag dauerhaft belasten. Aber zum einen ist dessen Kostenvorteil bei den Personalaufwändungen selbst gegenüber anderen Billigfliegern sehr groß; zum anderen ist die vergleichsweise hohe Produktivität von Ryanair auch durch andere operative Faktoren begründet.

Das Problem liegt viel mehr im Ego des stets kampfbereiten O’Leary, der es bislang gewohnt gewesen ist, im Unternehmen zu schalten und walten, wie er es für richtig hält – wie er Tarifkonflikte mit Gewerkschaften löst, weiß er nicht.

Aber das muss er nun schnell lernen. Auch die deutsche Justiz sitzt ihm schon seit längerer Zeit wegen der Arbeitsbedingungen bei Ryanair im Nacken; Piloten sind in Europa inzwischen Mangelware, wie O’Leary selbst im vergangenen Herbst feststellen musste, als seiner Airline so viele Flugzeugführer fehlten, dass sie in den folgenden Monaten zigtausend Flüge absagen musste. Und als Strafaktion einfach Maschinen in andere Länder abzuziehen – wie das Management droht – ist auf Dauer betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll.

panagiotis.koutoumanos@fnp.de Bericht auf Seite 5

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