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Schmierentheater zum Terminal 3

Von
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Panagiotis Koutoumanos
Die offen zur Schau gestellte Gelassenheit, mit welcher der Fraport-Vorstand im Streit um das Terminal 3 auf den derzeitigen Aktionismus schwarz-grün-roter Politiker reagiert, ist sicher nicht gespielt. Im Gegenteil: Als Beobachter kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass das Management – aus gebührendem Respekt gegenüber den Fluglärm geplagten Menschen – alle Mühe hat, seine Belustigung ob des Theaters zu verbergen, das die schwarz-grünen Regierungen in Wiesbaden und im Römer gemeinsam mit dem roten Oberhaupt der Stadt Frankfurt aufführen. Als „Riesenerfolg“, als „starkes Signal“ feiern die Akteure die Ergänzung des Konsortialvertrags, die angeblich eine ergebnisoffene Prüfung des Ausbau-Projekts ermöglicht. Damit nicht genug, sind sich CDU/Grüne auf der einen und SPD auf der anderen Seite nicht einmal mehr dafür zu schade, sich öffentlich darüber zu streiten, wer Spiritus Rector dieser vermeintlich glorreichen Maßnahme ist.

Natürlich ist nachvollziehbar, dass die Menschen, die tagtäglich unter dem Fluglärm leiden, sich in ihrer Not an jeden noch so dünnen Strohhalm klammern, geneigt sind, auf alles zu hoffen, was ihnen Linderung verschaffen könnte. Und so zieht es die Politik zunächst vor, den Menschen zu sagen, was sie hören wollen, statt ihnen zu sagen, was sie wissen müssen. Aber dass „Schwarz/Grün“ und oder „Rot“ per Erstellung eines neuen Gutachtens zur Passagier-Entwicklung in Frankfurt und einer Ergänzung des Konsortialvertrags den Bau des Terminal 3 verhindern werden, ist nicht zu erwarten.

Auf welchen Annahmen, Berechnungen und Erfahrungen soll denn ein unabhängiges Gutachten zur Passagier-Entwicklung fußen, das zu einem völlig anderem Ergebnis kommt als die beiden Untersuchungen, die Fraport im September präsentierte? Dass die aufstrebenden Mega-Hubs am persischen Golf jegliches Wachstum am Frankfurter Flughafen verhindern werden, wird niemand wagen vorauszusagen. Die Lufthansa betont zwar, dass sie künftig vor allem im Punkt-zu Punkt-Verkehr abseits der Frankfurter Drehscheibe wachsen will – aber selbst wenn der hiesige Platzhirsch Slots abgeben sollte, stehen andere Airlines bereit, diese zu übernehmen.

So soll das geplante Terminal 3 am Frankfurter Flughafen einmal aussehen. Foto: Fraport
Flughafen Frankfurt Terminal 3: Fraport treibt Planung weiter voran

Beim geplanten Bau des umstrittenen Terminal 3 lässt sich der Fraport-Vorstand nicht von der Politik beirren. Auf seinem Kurs bestätigt sieht sich das Management nun auch von den gestern vorgelegten Bilanzzahlen.

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Davon abgesehen, ist der Argumentation der Fraport, wonach der – unumstrittene – Trend zu immer größeren Flugzeugen deutlich mehr Andock-Stationen direkt an den Terminals erforderlich macht, wenig entgegenzusetzen. Zumindest nicht, wenn die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens in Frage gestellt werden soll. Und dazu ist die Politik nicht bereit. Nach eigenem Bekunden will sie dieser Fähigkeit ja das gleiche Gewicht zusprechen wie der Verringerung der Lärmbelastung. Ein Unterfangen, das der Quadratur des Kreises gleichkommt.

So wird am Ende der Flughafen-Betreiber, der dank Planfeststellungsbeschluss und Baugenehmigung das Heft fest in der Hand hält, nicht vom Bau des Terminal 3 abzuhalten sein, wird der Aktionismus der Politik schließlich als Schmierentheater entlarvt werden.

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