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Kommentar zu CAS-Urteil: Schrecken ohne Ende

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Wie war das noch Anfang Dezember? Da nannte Dr. Thomas Bach, deutscher Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), den systematisch organisierten Betrug bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014, wo mit Hilfe des russischen Geheimdienstes zahlreiche Dopingproben russischer Sportler ausgetauscht worden sein sollen, einen „nie dagewesenen Angriff auf die Integrität der Olympischen Spiele“. Statt die Betrüger aber aufs Härteste zu bestrafen und Russland von den Winterspielen in Südkorea auszuschließen – was gemäß der Olympischen Charta möglich gewesen wäre –, wurde nur das Nationale Olympische Komitee Russlands gesperrt. „Alle sauberen Athleten werden unter streng definierten Bedingungen teilnehmen dürfen“, sagte Bach im Dezember auch. Die Bedingungen definierte das IOC, das zuletzt 169 russische Wintersportler „eingeladen“ hatte, unter neutraler Flagge in Südkorea zu starten.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

43 russische Sportler hatte das IOC in den vergangenen Monaten lebenslang für Olympia gesperrt, weil sie von dem Betrug in Sotschi profitiert haben sollen. In 28 Fällen zu Unrecht, wie der Internationale Sportgerichtshof CAS jetzt feststellte und die Sperren aus Mangel an Beweisen aufhob. Peinlich für das IOC und bitter für alle Anti-Doping-Kämpfer. Streng genommen muss das IOC nämlich jetzt die freigesprochenen 28 russischen Athleten zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang einladen. Andernfalls droht, was schon vor den Sommerspielen in Rio de Janeiro der Fall war: Russische Athleten könnten versuchen, ihr Startrecht einzuklagen. Damals hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur der russischen Leichtathletik flächendeckendes, systematisches Doping vorgeworfen – und das IOC hatte nichts getan, sondern den Schwarzen Peter seinen Fachverbänden zugeschoben, die entscheiden sollten, welche russischen Sportler in Rio starten dürfen.

Nun fliegt dem IOC also wieder alles um die Ohren. Und wer trägt die Verantwortung dafür? Das IOC selbst mit seinem Präsidenten Thomas Bach an der Spitze. Statt dem Schrecken mit einer kollektiven Strafe für Russland im Dezember ein Ende zu setzen, nimmt der Schrecken kein Ende.

kerstin.schellhaas@fnp.de

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