Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Kommentar: Politik: Selbst dran schuld

<span></span> Foto: (FNP)
Frankfurt. 

Der Ausgang der zweiten Fernseh-Debatte zwischen Donald Trump und Hillary Clinton konnte in diesem Artikel leider nicht mehr berücksichtigt werden. Doch schon gestern war klar, dass sich die Republikaner mit der Wahl ihres Präsidentschaftskandidaten in eine extrem schwierige Lage manövriert haben. Die Aufnahmen mit Trumps Chauvi-Sprüchen gegen Frauen haben auch viele Anhänger im eigenen Lager geschockt. Dabei hatten seine Ausfälle gegen Ausländer und Frauen sowie die Angriffe auf die Clintons auch zuvor schon oft unter die Gürtellinie gezielt. Zwar war Trumps Nominierung bei den Vorwahlen nicht die Entscheidung der republikanischen Partei-Führung, sondern letztlich der Basis. Aber der Ausgang der Vorwahlen wäre kaum denkbar gewesen, wenn nicht Marco Rubio, Ted Cruz und andere Frontmänner der Partei die Plattform für diesen politischen Barbaren vorbereitet hätten. Die Republikaner und insbesondere ihr rechtspopulistischer Flügel Tea-Party haben sich fast systematisch in den radikalen Politik-Dilettantismus hineinmanövriert. Sarah Palin, die vor acht Jahren als Vize-Kandidatin angetreten war, und letztlich auch Ex-Präsident George W. Bush waren schon Vorboten für diesen verhängnisvollen Weg.

Die Ausfälle gegen intellektuelle und politische Eliten, rassistische Angriffe auf Barack Obama waren in den vergangenen Jahren so etwas wie Parteikonsens bei den Republikanern und gehörten quasi zum schlechten Ton. Vor einigen Jahren hatte das republikanisch dominierte Repräsentantenhaus das Land durch den mangelnden Willen zu Haushalts-Kompromissen ganz dicht an den finanziellen Abgrund gebracht. Aus dem in allen demokratischen Staaten zitierten Motto: „Zuerst das Land, dann die Partei“, war ein „nur noch die Partei“ geworden. Und Trump setzte dann noch die Partei mit seinem gigantischen Ich gleich. Diese narzisstische Karikatur eines Politikers konnte nur eine Partei mit gestörter Realitätswahrnehmung zum Spitzenkandidaten machen.

Dennoch darf die andere Seite – ähnlich wie in Deutschland – nicht übersehen, dass nicht nur böswillige dumpfe Gemüter den Rechtspopulisten hinterherlaufen. Die politischen Zentralen neigen hüben wie drüben dazu, sich im Beifall der wirtschaftlichen Eliten zu sonnen, die zu Themen wie Arbeitskosten, Zuwanderung und Sicherheit einen ganz anderen Blick als die Menschen auf der Straße haben, die etwaige Probleme ja auch als Erste zu spüren bekommen. In den USA gibt es zudem noch viel mehr Leute als bei uns, die trotz harter Arbeit den Traum von Wohlstand und Teilhabe nicht einmal mehr für ihre Kinder träumen können. Dass aber viele Abgehängte glauben, dass ausgerechnet ein egomanischer Milliardär ein ehrliches Herz für die kleinen Leute hat, ist grotesk, gibt es als verwandtes Phänomen aber in anderen Ländern auch. Schließlich war in Italien ein Berlusconi mal als Reformer gegen Rom gefeiert worden. Man weiß, was draus wurde.

Hillary Clinton müsste, falls sie Präsidentin wird, alles dafür tun, damit die tiefe Polarisierung des Landes überwunden wird. Barack Obama hat trotz guter politischer Ansätze die Herzen der Menschen zu wenig erreicht. Er ist eher Konzept- als Instinktpolitiker, wie es Hillarys Ehemann Bill Clinton als Präsident war. Kann sie das auch sein, oder sie ist ganz einfach zu lange im politischen Geschäft, um noch zu wissen, wie das Volk tickt?

Ein Blick auf die britische Verwandtschaft würde ihr sicher guttun. Dort demonstriert die neue Premierministerin Theresa May bisher glaubhaft, dass sie die Brexit-Botschaft offenbar verstanden hat. Sie setzt bewusste Gegenakzente zu den Oxford-Eliten, die zuletzt in ihrer Tory-Partei am Drücker waren. „Nicht ohne die Bürger“, könnte die Überschrift über ihre bisherigen Reden lauten. Ein Motto, das sich viele Demokratien wieder zu Herzen nehmen sollten, damit sie gar nicht erst Gefahr laufen, von bösartigen Comic-Figuren aufgemischt zu werden.

dieter.sattler@fnp.de

Zur Startseite Mehr aus Meinung der Redaktion

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse