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Kommentar: Sewing: Die Misere

Frankfurt am Main: Das Logo der Deutschen Bank steht auf dem neuen Sitz der Fondstochter DWS. Foto: Arne Dedert/Illustration Frankfurt am Main: Das Logo der Deutschen Bank steht auf dem neuen Sitz der Fondstochter DWS.

Der Aktienkurs der Deutschen Bank nähert sich wieder bedrohlich der Zehn-Euro-Schwelle – ein Niveau wie im Herbst 2016, als viele Experten ernsthaft an der Zukunft des Instituts zweifelten. Drei Verlustjahre in Folge hat der scheidende Chef John Cryan zu verantworten. Doch während die Deutsche Bank in vielen Bereichen nur noch in der Regionalliga spielt und ihre Aktionäre nur eine Mini-Dividende bekommen, zahlt sie Boni wie in der Champions League. Der überaus selbstbewusst auftretende Vorstandsvize Marcus Schenck, der als oberster Investmentbanker diese Boni maßgeblich durchgesetzt hat, wird nun mitsamt Cryan entsorgt. Dagegen steigt Christian Sewing, so etwas wie die personifizierte Bescheidenheit im Vorstand der Deutschen Bank, zum Chef auf.

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Er wird als erste Maßnahme einschneidende Sparschritte bei den Investmentbankern durchsetzen müssen. Noch immer führen die Abteilungen in London und New York ein Eigenleben, das die Zentrale kaum kontrollieren kann – wie sich zuletzt auch am Verkauf zweier deutscher Traditionsbrauereien an einen windigen Geschäftemacher gezeigt hatte, der keinerlei Branchenerfahrung hat, aber eine Spur von Insolvenzen hinter sich her zieht. Das taugt kaum als Referenz für Börsengänge in Deutschland – auch deswegen wurde die Bank zuletzt in den einschlägigen Ranglisten nach unten durchgereicht. Sie kann nicht mehr mit den Wall-Street-Größen mithalten, selbst bei inländischen Prestige-Transaktionen wie der Innogy-Aufteilung ging sie leer aus.

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Wechsel Christian Sewing wird neuer Chef der Deutschen Bank

Der Chef des Privat- und Firmenkundengeschäfts, Christian Sewing, soll neuer starker Mann bei der Deutschen Bank werden.

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„Vertrauen ist der Anfang von allem“, hatte die Bank einst im Fernsehen geworben. Wie weit es damit noch her ist, zeigt die Entwicklung des Aktienkurses der Abspaltung DWS, die – trotz vermutlich intensiver Kurspflege durch die Mutter – zeitweise fast ein Zehntel ihres Ausgabepreises verlor und sich seither kaum erholte. Dagegen hat „Healthineers“ von Siemens im Vergleich zum Ausgabepreis zeitweise ein Viertel an Wert gewonnen – solche Kurse zeigen auch und vor allem auch das Vertrauen der Investoren in die Seriosität des Mutterkonzerns.

Und nun? Den Heimatmarkt hat die Deutsche Bank lange vernachlässigt, für eine weitere „Großsparkasse“ nach dem Muster der Commerzbank – die das Wachstum in Deutschland in den vergangenen Jahren forciert hatte – dürfte kaum Platz sein. Und ob sich die Kunden der Postbank so einfach in den Konzern integrieren lassen, muss sich erst noch zeigen.

Für die Misere trägt nicht zuletzt auch der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner die Verantwortung. Er hat schließlich nicht nur die Personalie Cryan, sondern auch schon die Ära Anshu Jain/Jürgen Fitschen zu verantworten. Achleitner sollte ebenfalls rasch abtreten.

Thomas Baumgartner

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