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Özil-Rücktritt: So sieht ein Ende mit Schrecken aus

Özils Erklärung kommt zum richtigen Zeitpunkt, eigentlich. Trotzdem läuft da vieles falsch.
Fußball-Weltmeister Mesut Özil tritt aus der deutschen Nationalmannschaft zurück. Foto: Andreas Gebert (dpa) Fußball-Weltmeister Mesut Özil tritt aus der deutschen Nationalmannschaft zurück.
Frankfurt. 

So sieht also ein Ende mit Schrecken aus. Mesut Özil keilt gegen alle und jeden. Gegen den DFB und seinen Sponsor Mercedes, gegen „rechte“ Medien. Da klingt viel Wut und Enttäuschung heraus. Und eines ist klar: Özils Karriere in der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat ein unrühmliches Ende genommen.

Der gestrige Tag lieferte darüber hinaus auch die letzten Belege dafür, wie schlecht der millionenschwere Fußball-Profi beraten wird. Dabei war die Grundidee vielleicht nicht einmal so ganz verkehrt.

Das peinliche deutsche Aus bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ist nun schon ein paar Wochen her. Die Analyse konzentriert sich derzeit auf mögliche Verfehlungen von Joachim Löw, Oliver Bierhoff und – seit neuestem auch – auf die professionellen Fähigkeiten von Präsident Reinhard Grindel und der übrigen DFB-Führung.

Über Mesut Özil und sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan – Teamkollege Gündogan war auch dabei – hat zuletzt kaum noch jemand gesprochen. Also war es eigentlich ein guter Zeitpunkt für Erklärungen in eigener Sache.

Aber Özil sagt weiter nichts. Er schreibt. Oder lässt schreiben, von einem PR-Spezialisten, wie viele Fußball-Profis, die sich in sozialen Netzwerken mit bunten Bildern und mal mehr, mal weniger sinnstiftenden Texten präsentieren. Wie schon erwähnt: Der Zeitpunkt war günstig. Denn im Laufe der kontroversen Debatte über ihn ist der deutsche Nationalspieler mit türkischen Wurzeln von interessierter Seite urplötzlich zum Opfer gemacht worden.

Tatsache ist: Das Thema hat für Unruhe im Team gesorgt. Das Krisenmanagement des DFB war katastrophal. Und es ist absolut nichts an der Meinung auszusetzen, dass ein deutscher Nationalspieler sich nicht in vertrauter Atmosphäre mit einem türkischen Despoten fotografieren lassen sollte.

Ein solcher Standpunkt ist schon gar nicht ausländerfeindlich, wie Özil zu suggerieren versucht. Und vom Thema Mercedes hätte er besser ganz die Finger gelassen. Darum kümmern sich schon die deutsche Regierung und deutsche Gerichte. Es wäre von einer ziemlichen Komik, wenn Grindel und Co. plötzlich über Abgaswerte reden würden. Ganz abgesehen davon, dass darüber nichts im Kodex für Nationalspieler steht.

Özil hat betont, er würde das Foto wieder machen. Er vergaloppiert sich aber erneut, und das gleich zweimal. Zuerst, indem er im Fall Erdogan zwischen Amt und Person trennen will, was im Falle eines autokratisch regierenden Präsidenten, der Menschen aus nichtigen Gründen einsperren lässt, kaum geht.

Und dann mit dem Verweis, dass sich auch die englische Königin und Premierministerin May in London mit dem türkischen Präsidenten getroffen hätten. Bei Politikern gehören solche Termine zum – manchmal leidigen – Kerngeschäft, bei einem Sportler nicht.

Akzeptieren und respektieren muss man, dass Mesut Özil von seinen zwei Herzen spricht, dem deutschen und dem türkischen, und dass ihm die Wurzeln seiner Vorfahren viel bedeuten. Offensichtlich bedeuten sie ihm mehr als die Werte, die ein deutscher Fußball-Nationalspieler vertreten muss.

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