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Kommentar: Sonntag: Kulturgut erhalten

Passanten gehen mit Einkaufstüten durch eine Innenstadt. Foto: Bodo Marks/Archiv Passanten gehen mit Einkaufstüten durch eine Innenstadt. Foto: Bodo Marks/Archiv

Die hessischen Landespolitiker haben sich für den Schutz des Sonntags ausgesprochen. Und das ist gut so. Denn Menschen brauchen Pausen von der Arbeit, von ihrem Alltag – kurze Pausen am Abend und längere wie am Sonntag. Und Familien, Freundeskreise, Vereine und andere Gruppen brauchen einen Tag in der Woche, bei dem sie grundsätzlich davon ausgehen können, dass sie sich verabreden, zusammen einen Ausflug machen oder ein Fest feiern können. Und manch einer will auch in den Gottesdienst gehen, zum Leidwesen der Kirchen sind das aber wohl die wenigsten.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Michael Faust

All das und noch viel mehr erfüllt der Sonntag. Und deshalb ist es richtig, dieses Kulturgut zu schützen. Da ändert es auch nichts, dass es Gruppen gibt, die an diesem Tag arbeiten müssen, in der Pflege, in Zügen, in den Medien. Und auch Bäcker, nachdem Hessen den sonntäglichen Brötchenverkauf ermöglicht hat.

Damit auch die zu ihrem Recht kommen, die den Tag zum Verkaufen oder ausgiebigen Einkaufsbummel nutzen wollen, hat Hessen das an vier Sonntagen grundsätzlich erlaubt. Doch es gibt Einschränkungen. Und die scheinen so kompliziert zu sein, dass Verwaltungsgerichte immer wieder eingreifen und geplante verkaufsoffene Sonntage verbieten müssen, weil die Bedingungen nicht erfüllt sind – zuletzt in Hanau sogar erst am Freitag davor.

Aber sind die Regeln wirklich so kompliziert? Oder versucht es nur manche Kommune einfach mal? Und müssen die Gewerkschaften jede Möglichkeit zur Klage nutzen? Oder gibt es auch Kompromissmöglichkeiten?

All das muss geklärt werden. Ob das nun in Form einer Evaluation passiert, wie die Koalition es will, oder an einem runden Tisch, den die FDP will, ist eigentlich egal. Wichtig ist, dass das Gesetz überprüft wird und alle beteiligten Gruppen angehört werden. Dann können die Händler argumentieren, dass verkaufsoffene Sonntage Menschen davon abhalten könnten, im Internet einzukaufen. Und die Gewerkschaften, dass das Gesetz so bleiben soll, wie es ist, damit Arbeitnehmer und Familien geschützt werden.

Und vielleicht kommt man zu dem Schluss, dass es nur zwei verkaufsoffene Sonntage pro Kommune und Jahr geben soll, diese aber keinen Anlass mehr brauchen. Eine Vereinfachung wäre gut, denn auch Verwaltungsgerichte haben anderes zu tun.

Aber im Mittelpunkt muss stehen: Der Sonntag als verlässliche Pause für die meisten Menschen im hektischen Alltag ist ein wichtiges Kulturgut und muss erhalten bleiben.

wiebke.rannenberg@fnp.de Berichte auf den Seiten 1 und 3

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