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Kommentar: Stada: Oetker will sich beweisen

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Kapsel der Firma Stada Arzneimittel AG in Bad Vilbel (Hessen). Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv Kapsel der Firma Stada Arzneimittel AG in Bad Vilbel (Hessen). Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv

An der Spitze eines Konzerns gilt das Gebot, das auch in einer gesitteten Familie oberste Priorität genießt: Mögen die Mitglieder untereinander auch noch so zerstritten sein – nach außen gilt es stets, den guten Schein zu wahren. Dagegen verstößt auch Matthias Wiedenfels, der nun geschasste Vorstandschef der Stada AG, nicht. Aufsichtratschef Carl Ferdinand Oetker und er hätten „absolut an einem Strang gezogen“, hat er bis zuletzt in der Öffentlichkeit beteuert.

Dabei weiß niemand besser als er, dass der im vergangenen August zum Aufsichtsratschef ernannte Oetker schon seit dem Herbst darauf aus war, ihm einen Strick zu drehen – den Strick, mit dem er ihn aus dem Chefsessel des Bad Vilbeler Pharma-Konzerns heben wollte. Den Spitzenposten hatte der ambitionierte, aber noch recht unerfahrene Wiedenfels im Juni vergangenen Jahres über Nacht „bis auf weiteres“ erhalten – nachdem der langjährige Firmen-Patriarch Hartmut Retzlaff schwer erkrankt war. In der Folgezeit hatte es etliche Auseinandersetzungen zwischen Wiedenfels und dem Aufsichtsgremium gegeben.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Dass es dem nicht minder unerfahrenen Oetker jetzt erst gelungen ist, den durchaus erfolgreich agierenden Wiedenfels loszuwerden, hat einen einfachen juristischen Grund: Nachdem im Februar die ersten Übernahme-Angebote für den MDax-Konzern eingegangen waren, war der promovierte Jurist de facto nicht mehr abberufbar. Denn hätte einer der Bieter den Führungswechsel zum Anlass genommen, seine milliardenschwere Offerte zurückzuziehen, hätte Oetker mit Aktionärsklagen rechnen müssen. Und das hat der Spross des Bielefelder Industriellen-Clans nicht riskieren können – schließlich braucht er den Erfolg bei Stada, um seine eigene Karriere voranzutreiben, die ihn am Ende doch noch in den Kreis der persönlich haftenden Gesellschafter seines Familienkonzerns führen soll.

Bevor die Finanzinvestoren in den kommenden Tagen möglicherweise einen weiteren Anlauf nehmen, um Stada zu übernehmen – und eine Demission von Wiedenfels damit wieder zu einem unkalkulierbaren juristischen Risiko wird –, hat Oetker also mit freundlicher Unterstützung der anderen Aufsichtsratsmitglieder Wiedenfels rausgeworfen. Nun kann er sich selbst als starker Konzernboss beweisen.

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