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Kommentar: Tag der Deutschen Einheit: Deutschland, wie geht es dir jetzt?

Von Kurz nach der Wahl und zum Tag der Deutschen Einheit hat Cornelie Barthelme auf den Zustand der Deutschen geschaut. Ein Kommentar.
dpatopbilder - Zahlreiche Menschen stehen am 01.10.2017 in Berlin auf der Straße des 17. Juni am Brandenburger Tor. Dort findet die Einheitsfeier statt. Neben kulinarischen Köstlichkeiten können die Besucher noch bis zum 3. Oktober auch bekannte Musiker live erleben. Foto: Paul Zinken/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Paul Zinken (dpa) dpatopbilder - Zahlreiche Menschen stehen am 01.10.2017 in Berlin auf der Straße des 17. Juni am Brandenburger Tor. Dort findet die Einheitsfeier statt. Neben kulinarischen Köstlichkeiten können die Besucher noch bis zum 3. Oktober auch bekannte Musiker live erleben. Foto: Paul Zinken/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Okay, so also haben sie es sich nicht vorgestellt, die Wähler. Zwei Drittel von ihnen sind unzufrieden mit dem Ausgang der Bundestagswahl, meldet das ZDF-Politbarometer. Aber auch, dass, wäre am Sonntag noch einmal gewählt worden, exakt dasselbe Ergebnis herausgekommen wäre. Gefragt haben die Meinungserkunder von Dienstag bis Donnerstag; die Antwortenden müssten also über die ersten Gefühlsaufwallungen hinweg gewesen sein.

Spinnen sie – schönen Gruß an Asterix – die Deutschen?

Möglicherweise verwechseln sie nur einfach etwas. Vielleicht erschreckt sie weniger das Wahlresultat selbst als das Umgehen der Gewählten damit. Und da liegt zwischen dem bockig-frustrierten Regieren?-Ohne-uns!-Schulz und der stur-uneinsichtigen Ich-hab’-doch-alles-richtig-gemacht!-Merkel eine breite Spanne von kaum fassbar synchroner Jämmerlichkeit. Mittendrin: Die Seehofers und Lindners und Özdemirs, die jetzt im gleichen Zwiespalt klemmen wie 2013 die SPD. Einerseits wollen sie wahnsinnig gern regieren.

Cornelie Barthelme Bild-Zoom
Cornelie Barthelme

Andererseits – die FDP hat es schon erlebt und erlitten, die CSU macht die Erfahrung gerade erst – ist die Macht an der Seite von Angela Merkel wahnsinnig riskant. Aber, ganz ehrlich: Den Wählern darf das schnurzpiepegal sein. Die Gesellschaft ist, ganz zeitgemäß, hoch ausdifferenziert – und also erzeugt sie, über ein hoch ausdifferenziertes Parteienangebot, hoch ausdifferenzierte Regierungskonstellationen. Und allein die mindestens populistische AfD suggeriert, es ginge auch anders: Mit der von ihr angepriesenen Ausgrenzungsstrategie Richtung Einheitsüberzeugungsland, mindestens.

Zu Beginn des 28. Jahres deutscher Einheit – exakt: deren staatsrechtlicher Ausrufung – ist die Republik aber von mentaler wie emotionaler Geschlossenheit sehr weit entfernt. Gott sei Dank!, möchte man rufen – würde das in dieser im Wortsinn verrückten Zeit nicht gleich als politisches Statement missverstanden.

Mitten hinein die neue Woge Ostdeutschen-Bashing, die seit dem Wahlsonntag wieder einmal – und immer heftiger – rollt, gehören, sozusagen als Wellenbrecher, diverse Fragen platziert:

  • Haben nicht außer, beispielsweise, den tatsächlich in vielerlei Hinsicht hintangestellten Erzgebirglern auch die bayerischen und Baden-Württemberger Wirtschaftsboomer heftigst AfD gewählt – und wieso?
  • Ist Widerspruch in Neufünfland nicht schon immer da gewesen – und zweieinhalb Jahrzehnte lang ignoriert worden, weil er, rein machtarithmetisch, unwichtig war?
  • Und was heißt es, wenn er jetzt, wahlergebnismäßig, von den Linken nach ganz rechtsaußen gewandert ist? Etwa, dass Ostdeutschland nicht nur rein geographisch näher bei Prag und Warschau und Budapest liegt als bei Bonn am Rhein? Und falls ja – ist das Katastrophe oder vielleicht eher Chance?

Jedes einzelne Thema müsste die in der Version 2017 besonders hoch tourenden Nachwahl-Verwirrten im Regierungsviertel zur Vernunft bringen und zum Nachdenken. Oder wenigstens zur Besinnung. Und das Publikum draußen im Land davon abhalten, wieder in Gleichgültigkeit zu versacken und Lamentiererei. Für die ganz Eiligen, übrigens, gibt es sogar eine Kurzversion: Deutschland, wie geht es dir jetzt?

politik@fnp.de

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