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Trügerischer Rekord

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Symbolbild Geld. Foto: dpa Symbolbild Geld.

„Sind wir zu stark, seid ihr zu schwach“, könnte man nun dem französischen Präsidentschaftskandidaten Macron süffisant entgegnen und die schon vielfach geäußerte Kritik an Deutschlands Leistungsbilanzüberschüssen als kollektiven Sozialneid anderer Volkswirtschaften abtun. Neid auf unsere Ingenieurskunst, unsere hochwertigen Güter und Dienstleistungen. „Sollen die sich doch mehr anstrengen, um wettbewerbsfähiger zu werden – oder sich bescheiden, wenn sie sich „Made in Germany“ nicht leisten können! Und wenn sie sich schon beklagen, dann bitte, bei der EZB. Schließlich ist sie es, die mit ihrer geldpolitischen Brachialgewalt den Euro drückt, so dass auch die hochwertigen deutschen Produkte ungewöhnlich günstig zu haben sind.“

Panagiotis Koutoumanos Bild-Zoom Foto: (FNP)
Panagiotis Koutoumanos

All das könnte jemand mit gesundem Menschenverstand gegen die ewige Nörgelei an Deutschlands Leistungsbilanzüberschüssen vorbringen, die einen weltweiten Rekord darstellen. Aber damit wäre die Kritik allzu leichtfertig vom Tisch gewischt. Denn diese Kritik richtet sich letztlich nicht gegen die hohen Exporte – Exportweltmeister ist mit großem Abstand nach wie vor China – sondern gegen die niedrigen Importe in Deutschland, verursacht durch zu niedrige Investitionen hierzulande. Und diese selbstkritisch in Frage zu stellen, ist in Deutschlands eigenem Interesse. Denn dem Überschuss in der Leistungsbilanz steht in gleicher Höhe ein Defizit in der Kapitalbilanz gegenüber. Heißt: Mit jedem Euro Warenwert, den die Bundesrepublik mehr aus- als einführt, exportiert das Land in gleicher Höhe wertvolles Kapital. Kapital, das hierzulande für neue Fabriken oder Forschungsanlagen fehlt.

Seit der Jahrtausendwende ist der Leistungsbilanzüberschuss auf rund 2,9 Billionen Euro angewachsen. Diese Summe haben Deutschlands Banken direkt oder indirekt den Leistungsbilanzdefizitländern zur Verfügung gestellt, damit sich diese ihre Einkaufstouren hiezulande überhaupt leisten können. Das Geld ist in Form direkter Kredite oder beispielsweise in Form von Staats- oder Immobilienanleihen geflossen. Viele dieser Länder haben sich auf diese Weise hochverschuldet – Griechenland zum Beispiel. Ob Deutschland diese hunderte Milliarden Euro alle wiedersieht, ist deshalb offen: Wird im hochverschuldeten Griechenland ein harter Schuldenschnitt fällig, ist ein Teil des Geldes weg. So wie das Geld, das in den USA im Austausch für deutsche Güter in Lehman-Zertifikate und Subprime-Papiere floss, die 2008 die globale Finanzkrise auslösten.

Wäre die Bundesregierung angesichts dieser riskanten wirtschaftlichen Unwucht nicht gut beraten, die Leistungsbilanzüberschüsse zu reduzieren, indem sie mehr Geld für zusätzliche Investitionen in die Hand nimmt, es in Schulen und Universitäten steckt, in Verkehrswege und die digitale Infrastruktur? Indem sie kleinere Unternehmen steuerlich fördert, wenn diese Fabriken bauen, in Forschung und Entwicklung investieren? Dies würde nicht nur die Konjunktur ankurbeln und dazu führen, dass die Deutschen mehr importieren – die Wirtschaftsmacht Deutschland würde dadurch auch ihrer wirtschaftspolitischen Verantwortung gerecht werden, die weit über die Grenzen des Landes hinausreicht.

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