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VW: Werksclub als Vorbild

Der hausgemachte Abgas-Skandal hat die Kernmarke im Volkswagen-Konzern tief ins Mark getroffen. Die Absatzzahlen in den USA brachen ein, in Europa kam VW dank der Loyalität vor allem der deutschen Kunden mit einem blauen Auge davon – auch wegen großzügiger Rabatte im Handel.
<span></span> Foto: (FNP)

Der hausgemachte Abgas-Skandal hat die Kernmarke im Volkswagen-Konzern tief ins Mark getroffen. Die Absatzzahlen in den USA brachen ein, in Europa kam VW dank der Loyalität vor allem der deutschen Kunden mit einem blauen Auge davon – auch wegen großzügiger Rabatte im Handel. Die bereits vor Dieselgate um Profitabilität kämpfende Traditionsmarke VW ist in den vergangenen zwölf Monaten noch weiter unter die Räder gekommen. Die Rendite ist eines Autogiganten, der auf dem Weltmarkt eine führende Rolle spielen möchte, unwürdig.

Daher sucht VW nun den Befreiungsschlag. Die Instrumente sind die üblichen: Mit Stellenabbau und Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe soll die Krisen-Marke wieder flott gemacht werden. Die Strategie gleicht einem Drahtseilakt. Denn VW will sich völlig neu aufstellen, ja geradezu neu erfinden und das Zukunftsfeld Elektromobilität konsequent bespielen. Doch außer hehren Worten hat Volkswagen bisher wenig zu bieten. Der kürzlich vorgestellte elektrische Golf ist alles andere als ein Vorreiter unter den Stromern. Mit einer Batterie-Reichweite von 300 Kilometern hinkt er der Konkurrenz deutlich hinterher. Opels Ampera-e, der ebenfalls Anfang 2017 auf den Markt kommt, zeigt den Wolfsburgern mit einer Reichweite von 500 Kilometern, was heute möglich ist. Ganz zu schweigen von den Qualitäten des Elektroauto-Pioniers Tesla. Das Beispiel zeigt, dass der VW-Konzern noch nicht mal seine Hausaufgaben gemacht hat.

Zum Sparprogramm gehört auch die Verringerung der Investitionen. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass die Wolfsburger angesichts der Milliardensummen, die die Aufarbeitung des Abgas-Betrugs verschlingt, sparen wollen und müssen. Allein der US-Vergleich kostet über 16 Milliarden Dollar. Doch ausgerechnet bei den so dringend notwendigen Investitionen auf die Bremse zu treten, ist absolut kontraproduktiv. Wer im Bereich der Elektromobilität auf dem Weltmarkt an der Spitze mitmischen will, muss viel Geld in die Hand nehmen. An dieser Stelle zu knausern heißt, die Zukunft der deutschen Automobil-Legende aufs Spiel zu setzen.

VW war offenkundig nicht mehr in der Lage, die Autos der Zukunft zu bauen und Abgasgrenzwerte ohne Schummelei einzuhalten. Das war der Nährboden für Dieselgate. Ob der nun geschmiedete Zukunftspakt erfolgreich sein wird, ist Volkswagen zwar zu wünschen, erscheint aber äußerst fraglich.

„Der Fisch stinkt vom Kopf her“, besagt ein altes Sprichwort. In der Autostadt Wolfsburg sollte man darüber intensiv nachdenken. Der Aufsichtsrat ist in der Pflicht, den erwünschten Befreiungsschlag auch personell umzusetzen. Die verantwortlichen Aufseher sollten sich ein Beispiel an ihrem Werksfußballclub nehmen: Der Trainer wurde ausgetauscht, die direkte Abstiegszone kurz darauf verlassen.

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