Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Kommentar: Vergleichsportale: Märkte transparenter machen

Von
Werbesport Check24 Werbesport Check24

Die Wirtschaftswissenschaften gingen einst von perfekten Märkten aus, auf denen umfassend informierte Konsumenten rational schnelle Entscheidungen treffen. In der Praxis ist das natürlich nicht so, Emotionen und der Faktor Zeit spielen ebenso eine Rolle wie Wissenslücken. Wer kann schon alle Produkte am Markt vergleichen und mögliche Mängel erkennen? Hier kommen Warentester und Internetportale ins Spiel: Sie machen Angebote transparenter und vergleichbar.

Die Stiftung Warentest wird vom Steuerzahler und durch Abo-Gebühren finanziert und darf als höchstmöglich neutral gelten; Ratschläge geben auch Verbraucherzentralen, deren Geld ebenfalls vom Staat und den Kunden kommt, oder der gemeinnützige „Finanztip“. Private Vergleichsportale müssen andere Finanzierungswege finden – und das dürfte auch jedem Nutzer klar sein: Laut einer Studie (im Auftrag von Check24) kennen 87 Prozent von ihnen das Geschäftsmodell.

Thomas Baumgartner Bild-Zoom Foto: (FNP)
Thomas Baumgartner

Check24, dessen Haupteigner nach wie vor Gründer Henrich Blase ist, macht als mit Abstand größtes Vergleichsportal in Deutschland mit zuletzt 500 Millionen Euro deutlich mehr Umsatz als Verivox, eine 80-Prozent-Tochter von ProSiebenSat1.Die Suchergebnisse der Portale sind häufig aktueller und detaillierter als bei staatlich finanzierten Tests. Ein weiterer Pluspunkt sind Bewertungen von Nutzern, die zum Beispiel die Hotel-Auswahl extrem erleichtern können.

Dass auf den Seiten der Portale Werbung auftaucht, hat zunächst einmal nichts mit den Suchergebnissen zu tun und ist unproblematisch. Schwieriger wird es im nächsten Schritt: Dass die Portale für die Vermittlung von Versicherungspolicen, Handyverträgen, Stromangeboten oder Hotelzimmern Provisionen kassieren, weiß der mündige Bürger. Zum Beispiel zahlen Versicherer bis zu 100 Euro für eine Kfz-Police. Nur wenigen Deutschen dürfte allerdings klar sein, dass (Internet-)Makler zum Beispiel für Versicherungen oft auch Bestandsprovisionen kassieren, häufig über viele Jahre – und das, ohne irgendetwas zu tun. „Klassische“ Versicherungsmakler ärgern sich naturgemäß über die Konkurrenz, ihr Verband BVK lieferte sich jahrelang eine juristische Fehde mit Check24. So zwang er das Portal, nicht nur online auf die eigene Rolle als Versicherungsmakler (der Provisionen kassiert) hinzuweisen, sondern auch jedem Kunden per E-Mail darüber zu informieren. Check24 revanchierte sich, indem man wiederum BVK-Präsident Michael Heinz Verstöße gegen Vorschriften nachwies.

Besonders problematisch wird es bei Check24, Verivox, Booking.com und Co., wenn Produktanbieter durch Zahlungen die Reihenfolge der Suchergebnisse beeinflussen können – selbst wenn die ganz oben aufgeführten Unternehmen klein als „Anzeige“ gekennzeichnet werden. Denn viele Nutzer übersehen das – und natürlich ist das auch beabsichtigt. Manche Portale verdienen zudem am Verkauf von Kundendaten – das sollte der Gesetzgeber unterbinden. Und während bei Handyverträgen alle ein oder zwei Jahre ein Wechsel (und damit eine Fehlerkorrektur) möglich ist, binden andere Entscheidungen – für eine private Krankenversicherung oder einen Riester-Anbieter – für viele Jahre oder gar ein Leben lang. Bei solchen Entscheidungen fürs Leben sollte der Staat ausreichend Geld bereitstellen, damit Stiftung Warentest und Verbraucherzentralen neutrale Vergleiche ermöglichen können.
wirtschaft@fnp.de Bericht auf Seite 1

Zur Startseite Mehr aus Meinung der Redaktion

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse