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Kommentar Wirtschaft: Verraten und verkauft?

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<span></span> Foto: (FNP)

Schon im September 2015 war der Verkauf von 128 000 Lebens- und Rentenversicherungs-Policen der Basler Leben AG angekündigt worden, doch die Finanzaufsicht BaFin ließ BHF-Bank und Fosun – die beiden wollen die Bestände in einer Art „Bad Bank“ übernehmen – bis jetzt warten. Die Aufseher taten sich erkennbar schwer mit der Genehmigung, zumal der zuständige Exekutivdirektor Versicherungsaufsicht bei der BaFin, Frank Grund, bis 2012 Chef der Basler in Deutschland war. Und dass die 90 000 betroffenen Kunden ein mulmiges Gefühl beschleicht, wenn ihre Versicherungsgelder nach China verkauft werden, ist erst recht zu verstehen.

Natürlich bleiben die garantierten Ansprüche geschützt. Aber eben auch nur die. Da der Käufer Frankfurter Leben ein Abwickler ist, aber kein Neugeschäft mehr machen will, hat er auch keine Werbung mit überdurchschnittlichen Überschüssen oder besonderer Kundenfreundlichkeit nötig. Altkunden können bei kleineren Vertragsverstößen, das haben die Beispiele verkaufter Immobilienkredite gezeigt, nicht mehr mit Kulanz rechnen, sondern mit der Kündigung streng nach den Buchstaben des Gesetzes. Ziel eines Abwicklers wie Frankfurter Leben ist es ja, nach Basler und Arag noch weitere Bestände zu erwerben und die Effizienz bei der Verwaltung zu erhöhen; immerhin würden an Kostensenkungen auch die Kunden beteiligt.

Fosun gilt als schnell und unter hoher Verschuldung gewachsene Gruppe. Gründer Guo Guangchang war 2015 in China eine Weile verschwunden, weil er von der Polizei befragt wurde; er hatte auch die BHF Bank kaufen wollen, war am Ende aber nur bei Hauck & Aufhäuser zum Zuge gekommen. Die Aufsicht wird zwar verhindern, dass Spargelder in dem undurchsichtigen Firmenkonglomerat versickern und sich Anlagen am Ende als nicht werthaltig herausstellen. Doch vertrauensbildend wirkt das alles nicht. Auch der zweite Abwickler am deutschen Markt, die aus MLP hervorgegangene und neuerdings als „Viridium Gruppe“ auftretende Heidelberger Leben, steht in der Kritik, ihren Versicherten Überschüsse vorzuenthalten.

Daher haben es Branchengrößen wie Ergo, Generali oder Talanx (die ebenfalls keine Garantieprodukte mehr anbieten) aus Sorge um ihren Ruf vorgezogen, die Altverträge an konzerninterne Abwickler auszulagern. Aus Kundensicht ist dieser Weg allemal zu bevorzugen. Aber auch Versicherungs-Vorstände werden sich ungern nachsagen lassen, sie hätten ihre Kunden verraten und verkauft.

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