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Kommentar: Verteidigung des Auslaufmodells Diesel: Totalschaden droht

Von Nicht nur dürfte die Verteidigung des Auslaufmodells Diesel aussichtslos sein, der Totalschaden droht auch auf Benziner überzugreifen. Es besteht die akute Gefahr, dass deutsche Hersteller und große Teile der Politik die Zukunft verschlafen, statt rechtzeitig auf Elektroantriebe und alternative Verkehrskonzepte zu setzen. Ein Kommentar.
Symbolbild Foto: Tobias Hase (dpa) Symbolbild

Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt dem Diesel treu: „Für den Klimaschutz ist das Dieselauto heute genauso ein gutes Auto, wie es das gestern und vorgestern war.“ Über das Morgen freilich hat sie dabei nichts gesagt – und seit dem gestrigen Urteil aus Stuttgart steht mehr denn je in Frage, ob Dieselmotoren eine Zukunft haben.

Politik, Hersteller und auch der Branchenverband VDA scheinen den Diesel bei unseren Klimaschutz-Problemen immer noch als Teil der Lösung zu sehen. Dabei ist klar, dass er eher Teil des Problems ist. Und der Versuch der Industrie, sich beim Diesel-Gipfel nächste Woche mit Software-Updates aus der Affäre ziehen zu wollen, darf seit gestern als gescheitert gelten. Wenn das Urteil Bestand hat, müssen Besitzer eines Selbstzünders – zumindest unterhalb der strengsten Abgasnorm Euro 6 – nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in allen deutschen Großstädten ab 2018 ganzjährig mit Fahrverboten rechnen.

Thomas Baumgartner Bild-Zoom Foto: (FNP)
Thomas Baumgartner

Längst wirkt angesichts von immer mehr, immer riesigeren SUVs jeder Spaziergang durch die Innenstadt subjektiv bedrohlicher als der durch einen Raubtierkäfig. Wer glaubt denn tatsächlich, dass solch gigantische Spritschlucker wie ein Porsche Cayenne durch ein bisschen Software-Kosmetik zu umweltfreundlichen Schmusekätzchen mutieren? Protokollarisch ist der Diesel-Gipfel ohnehin zum Hügel geschrumpft – es wird zwar Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier teilnehmen, nicht aber Kanzlerin Merkel.

Klar ist: Nicht nur dürfte die Verteidigung des Auslaufmodells Diesel aussichtslos sein, der Totalschaden droht auch auf Benziner überzugreifen. Großbritannien hat bereits das Ende aller Verbrennungsmotoren für das Jahr 2040 angekündigt, aus Frankreich kommen ähnliche Signale. Es besteht die akute Gefahr, dass deutsche Hersteller und große Teile der Politik die Zukunft verschlafen, statt rechtzeitig auf Elektroantriebe und alternative Verkehrskonzepte zu setzen.

thomas.baumgartner@fnp.de 

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