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Kommentar: Wahlkampf: Grau(en) statt Grün

Von In einem fort liegt für die Grünen ein neuer Ball auf dem Elfmeterpunkt vor leerem Tor. Und dann machen sie ihn wieder nicht rein. Ein Kommentar von Cornelie Barthelme.
Cem Özdemir (Grüne). Foto: Kay Nietfeld/Archiv Cem Özdemir (Grüne). Foto: Kay Nietfeld/Archiv

Ja, freilich läuft es für die Grünen. Der Sommer verregnet und unwetterig, die Bundesregierung zu feige, sich mit der Automobilindustrie in Sachen Luftreinheit anzulegen, die FDP auf Einschleimertour bei Kanzlerin-Fans und Putin-Verstehern zugleich: Leichter können die Konkurrenz und die himmlischen Mächte der aktuell kleinsten Oppositionspartei im Bundestag den Wahlkampf gar nicht machen. Klimawandel, Dieseldreck, Gifteier: In einem fort liegt für die Grünen ein neuer Ball auf dem Elfmeterpunkt vor leerem Tor. Und dann machen sie ihn wieder nicht rein. Und ja, so abgenutzt wie dieser Vergleich erscheint die ganze Partei. Zu Elke Twesten, der Aufregerin dieser Tage, fällt den Spitzenkandidaten nichts ein. In Hannover ruiniert eine Parteifreundin die Regierungskoalition, weil sie aus blankem Eigennutz zur schwarzen Konkurrenz überläuft: Ein GAU für die Partei, die sich seit je als Alleinpächterin von Ethos und Moral fühlt – und gibt. Irgendwann zwingt sich Cem Özdemir ein „leider“ ab. Passivität – deine Farbe ist grün.

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Dabei wollen sie drittstärkste Partei werden am 24. September – und danach Regierungsfraktion, endlich wieder. Nach drei Wahlen, bei denen ihnen zuerst immer die Prozente nicht gereicht haben – und dann der Mut. Es könnte ein hochdramatischer Wettstreit sein, schon weil die Grünen seit Monaten gleichauf liegen mit Linken und FDP und jener Partei, die sich inzwischen ihr altes Etikett „alternativ“ angeklebt hat. Könnte. Es ist die reine Tristesse. Nicht wegen der Grünen allein. Aber zu einem beträchtlichen Teil. Weil die einstigen Ökopaxe in ihrem vierten Jahrzehnt so schreckliche Langweiler sind. Behaupten allen Ernstes, „Magenta auf Grün – das knallt“. Sogar „am stärksten“. Als ob man für Plakatfarben gewählt würde… Oder auch nur wahrgenommen. Seit Twesten ihre Partei kompromittierte, beschäftigt die Republik allein der Schaden für Martin Schulz und die SPD. Wie viel ärger die Grünen getroffen wurden – und sind – interessiert niemanden. Nicht einmal wirklich sie selbst.

Dabei müssten – allerspätestens davon – Spitzenpersonal und Basis gleichermaßen aufgeschreckt sein. Eigentlich hätten sie es schon längst kapieren müssen, dass sie im gesellschaftlichen Bewusstsein einfach nur die schlechtere FDP sind: Machen es für die Macht nach der Wahl mit jedem – und nennen es Äquidistanz. Den Lindners dieser Welt wird das nicht verübelt – die Liberalen sind, gerecht oder nicht, seit 1982 als Opportunisten einsortiert. Die aber, die versprachen, die Welt zu verbessern und sie für dieses Ziel aufzumischen – oder wenigstens die Republik oder zum allermindesten die Politik: Die müssen es jetzt endlich krachen lassen – und nicht bloß davon erzählen. Sonst bleibt Grün anno 2017, was es ist: grau mit der Steigerungsform Grauen.

politik@fnp.de

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