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Kommentar: Warum der Deutschen Bahn das Fingerspitzengefühl fehlt

Klarer Fall: Die Bahn hat Sanierungsbedarf. Nicht nur auf der Schiene, sondern vor allem in den Bereichen Service und Kommunikation, kommentiert Pia Rolfs.
Foto: Salome Roessler
Frankfurt. 

Beginnen wir mit einer Quizfrage: Wo kann man für 40 Euro in einen Schnellzug einsteigen, in breiten Sitzen mit Beinfreiheit in gut eineinhalb Stunden 320 Kilometer zurücklegen und auf die Minute pünktlich ankommen? Spätestens wenn es um Pünktlichkeit und Bequemlichkeit geht, wird klar: In Deutschland kann das nicht sein. Zu viele Defizite hat die Bahn gerade in diesen Bereichen. Und bald wird es mit den Sperrungen auf bundesweit wichtigen Strecken noch einmal schlimmer für die Kunden.

Natürlich sind die geplanten Sanierungen notwendig, ist der Vergleich mit Ländern wie Spanien – aus dem das oben genannte Beispiel stammt – nicht ganz fair. Das dicht besiedelte Deutschland hat ein engmaschiges Streckennetz, wo sich jede Verspätung wie im Schneeballsystem auswirkt. Bei uns werden nicht nur die Metropolen, sondern auch kleine Städte bedient, auch wenn der Aspekt der öffentlichen Daseinsvorsorge inzwischen oft hinter wirtschaftlichen Erwägungen zurücktritt.

Doch es ist zu befürchten, dass die bereits bestehenden Probleme der Bahn in Kombination mit den Sperrungen zu einem größeren Chaos führen. Gerade jetzt zeigt sich wieder, dass dem Konzern das Fingerspitzengefühl für seine Kunden fehlt. Wurde doch eine Baumaßnahme in Hannover, die große Verspätungen auf der Nord-Süd-Strecke verursacht, ausgerechnet in die Feiertagswoche und Herbstferien gelegt. Und obwohl der Komfort sinkt, steigen im Dezember die Preise.

Das alles kann selbst langmütige und erprobte Bahnfahrer abschrecken, von möglichen Neukunden ganz zu schweigen. Auch die Auswirkungen auf den Güterverkehr werden beträchtlich sein. Wenn die Bahn also ihre Planung und Kommunikation bis 2019 nicht deutlich verbessert, wird sie ihre klimaschädlichen Konkurrenten Flugzeug, Auto und Lkw weiter stärken. Vor allem aber muss sie ihren Kunden durch mehr Service entgegenkommen – in dieser Richtung ist die Verspätung der Bahn derzeit am größten.

pia.rolfs@fnp.de 

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