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Kommentar: Warum der Dieselskandal für Deutschland so gefährlich ist

Ermittlungen gegen den Audi-Chef, Zwangs-Rückrufe bei Daimler - der Dieselskandal nimmt in Deutschland Fahrt auf. Das könnte sehr gefährlich werden.
<span></span> Foto: (FNP)
Frankfurt. 

Jetzt dürfte es für Rupert Stadler richtig eng werden. Die Razzia in der Privatwohnung des 55-jährigen Managers deutet darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft einen starken Anfangsverdacht wegen Betrugs und Falschbeurkundung hat. Dabei geht es um den Vorwurf, dass Diesel-Fahrzeuge mit manipulierter Software auf den europäischen Markt gebracht wurden. Stadler ist als Audi-Chef nun nicht mehr zu halten.

Dass er an dem Tag ins Visier der Ermittler geraten ist, an dem Daimler-Boss Dieter Zetsche zum Rapport ins Bundesverkehrsministerium nach Berlin bestellt wurde, ist ein untrügerisches Zeichen dafür, dass der Diesel-Skandal in Deutschland jetzt erst richtig Fahrt aufnimmt. Während in den USA die Manipulationen an Abgassystemen und der Betrug am Kunden schon abgeurteilt sind, was den VW-Konzern rund 22 Milliarden gekostet hat, kommt die juristische Aufarbeitung hierzulande mit deutlicher Verzögerung in Schwung. Das mag an den unterschiedlichen Rechtsstandards liegen, ist also kein Grund, über eine zu laxe deutsche Strafverfolgung zu lamentieren. Wenn das Prinzip „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“ konsequent zum Abschluss gebracht wird, dürften diesem Land noch spektakuläre Prozesse bevorstehen.

Nach der jüngsten Razzia beim Sportwagenhersteller Porsche, den aktuellen Durchsuchungen bei Stadler und einem weiteren Audi-Vorstand sowie dem zunehmenden Druck auf Mercedes steht zu befürchten, dass die gesamte deutsche Autoindustrie in den Skandal um manipulierte oder zumindest falsche Abgaswerte bei Dieselautos involviert ist. Es deutet sich ein Flächenbrand an, der die einstige Vorzeigebranche, die am weltweit exzellenten Ruf von Produkten „Made in Germany“ einen ganz entscheidenden Anteil hat, in eine tiefe Krise stürzen kann. Wenn es den Protagonisten nicht gelingen sollte, schnell und gründlich die Vorwürfe aufzuklären, oder zu gestehen und persönliche Konsequenzen zu ziehen, dann „gute Nacht, Autoland Deutschland“.

Industrie-Präsident Dieter Kempf hat klare Worte über das Versagen der verantwortlichen Auto-Manager gefunden, die er für einen enormen Vertrauens- und Imageschaden des Wirtschaftsstandortes verantwortlich macht. Die Schelte sollte den Stadlers und Winterkorns, den Pötschs und Piëchs wie Donnerhall in den Ohren klingeln. Es ist Zeit für die Wahrheit. Darauf warten die betrogenen Autofahrer, die Aktionäre und die gesamte Öffentlichkeit. Die deutsche Politik muss aber endlich auf Distanz zu den vermeintlichen Übeltätern gehen – trotz ihrer enge Verflechtung mit dem VW-Konzern. Nur so kann sie Schaden vom deutschen Volk abwenden.

michael.balk@fnp.de

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