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Kolumne: Weirich am Montag: Österreichs fescher Polit-Jungstar

Von Der Bundesobmann der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und Außenminister Sebastian Kurz scheint bei den Nationalratswahlen einem ungefährdeten Sieg entgegenzueilen und den sozialistischen Regierungschef Christian Kern weit hinter sich zu lassen.
von Prof. Foto: Eric Richard (priv.) von Prof.

Nächsten Sonntag könnte ein fescher Jung-Star Bundeskanzler im Nachbarland Österreich werden und auf der europäischen Bühne gleichzeitig für einen spektakulären Tabubruch sorgen. Der Bundesobmann der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und Außenminister Sebastian Kurz scheint bei den Nationalratswahlen einem ungefährdeten Sieg entgegenzueilen und den sozialistischen Regierungschef Christian Kern weit hinter sich zu lassen. Vor ein paar Monaten standen die Konservativen in Umfragen noch auf dem dritten Platz.

Seit der Wunderknabe Kurz, charismatisch und selbstbewusst, seine Partei zu einer „Ich-AG“ mit Veto-Rechten des Chefs in allen zentralen Fragen denaturiert hat, gehen die Werte steil nach oben. Der bis dahin führenden rechtspopulistischen freiheitlichen Partei (FPÖ) mit ihrem Vormann Heinz-Christian Strache, die so etwas wie die mit ihr befreundete deutsche AfD ist, hat Kurz mit einem entschlossenen Themenmanagement zu Leitkultur, Ausländern und Europa den Schneid abgekauft.

Da die Österreicher die große Koalition satt haben, dürfte Kurz, dessen Stimmenanteil bei etwa 34 Prozent liegen könnte, mit eben jener FPÖ eine Koalition eingehen. Europas Protest dürfte sich im Gegensatz zu 2000, wo Wolfgang Schüssel sich mit Jörg Haider verpartnerte, in Grenzen halten, haben doch auch die Sozialisten eine solche Allianz keineswegs ausgeschlossen. Die Rechtspopulisten werden gebraucht.

Ein Wahlsieg von Kurz vermittelt auch einen Fingerzeig für die politische Orientierung hierzulande, behaupten doch viele in Journalismus und Politik, eine stärkere konservative Orientierung der Union – fälschlicherweise Rechtsruck genannt – helfe nur der AfD. Man wähle schließlich lieber das Original und nicht die Kopie. Ähnliches wurde viele Jahre der immer mehr in eine beliebige linke Mitte rutschenden ÖVP eingeredet.Der abgebrochene Jura-Student Kurz, dem mit einer Fake-News-Schmutzkampagne seiner Gegner in diesen Tagen ein unbezahlbares Wahlkampfgeschenk gemacht wurde, hat trotz seiner 31 Lenze die Ochsentour hinter sich. Wiener Gemeinderat, Landtagsabgeordneter, Vorsitzender der jungen ÖVP, Integrations-Staatssekretär, jetzt Außenminister und Parteichef; der Profi kennt die Mühen aller politischen Ebenen. Mit Kanzler Kern hat er einen ebenso dünnhäutigen wie glücklosen Gegner. Von US-Medien als „Staatsmann der neuen Art“ gepriesen, steht Kurz, Vorsitzender der OSZE, für eine härtere Gangart gegenüber dem türkischen Staatschef Erdogan, in der Flüchtlingsfrage legte er sich mit Angela Merkel bei der Schließung der Balkan-Route an, in der Innenpolitik focht er für das Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst und das Verbot der Vollverschleierung. Die Österreicher sollten sich nicht fremd im eigenen Lande fühlen.

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