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Weirich am Montag

von Prof. Foto: Eric Richard (priv.) von Prof.

Die Bundestagswahl hat ein mediales Nachspiel. Dem Fernsehen wird der Vorwurf gemacht, die AfD erst groß gemacht zu haben, die früher nicht zu Selbstkritik neigende Spezies der Journalisten meditiert angesichts von „Lügenpresse“-Vorwürfen über ihre Rolle in einer heftiger gewordenen politischen Auseinandersetzung und der Medienforscher Michael Haller versetzt mit einer Studie über die Medien in der Flüchtlingskrise die Branche in Aufruhr.

Sein Befund: Die Moralisten hätten die Macht und den Job der Politik-PR übernommen, viele wollten „Merkel auf dem Schoß sitzen“. Vor diesem Hintergrund ist es Zeit, an das Berufsethos von Journalisten, ihre Verpflichtung zu Unabhängigkeit und wahrhafter Berichterstattung zu erinnern.

Wer die Regeln journalistischen Handwerks missachtet, volkserzieherischen Anwandlungen nicht standhalten kann, hat letztlich seinen Beruf verfehlt.

Missionare haben in der Theologie, auch in der Politik ihren Platz, nicht aber in freien Medien.

Es ist eine geradezu ridiküle Diskussion, ob man die AfD von einer Fernseh-Talkshow fernhalten soll, um sie nicht noch weiter zu popularisieren. Entscheidend ist für die Besetzung nur der Lebendigkeit für den Zuschauer versprechende Kontrast des politischen Themas, wer die AfD gezielt schneidet oder sie spektakulär auslädt, macht sie zu politischen Märtyrern.

Hat man etwas von einer Debatte über Auftritte von Linkspopulisten im TV vernommen? Waren das auch „Sendungen zum Fremdschämen“, wie ein Kommentator den Auftritt von AfD-Gauland bewertete. Die Talkshows schmücken sich mit Sarah Wagenknecht und trotz jahrzehntelanger Stasi-Vorwürfe hat es Gregor Gysi auch und vor allem dank der Mattscheibe geschafft, zum ostdeutschen Chef-Entertainer und Publikumsliebling heranzureifen.

Bei den gedruckten Medien geht der Selbstreflexions-Prozess über verfehlten „Nanny-Journalismus“ und „Mainstream-Einheitsbrei“ tiefer.

Journalisten hätten in der Flüchtlingskrise emotional einfach auf der Seite des Guten stehen wollen und alles andere ausgeblendet, heißt es entschuldigend.

Von Henri Nannen kennen wir die Unterscheidung zwischen Merkern, die gründlich recherchieren und wahrhaftig berichten und Tätern, die für ein Anliegen kämpfen.

Ist von engagierten Journalisten die Rede, ist dies häufig eine charmante Umschreibung für einseitige Autoren.

Guter Journalismus ist solides Handwerk, Dienstleistungsauftrag für Information. Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache oder Person gemein, hat keinen Schaum vor dem Mund, fühlt sich auf Merkels Schoß unwohl, ist nicht vorurteilsbeladen, offen für und neugierig auf Fakten. Das schließt eine pointierte Meinung im Kommentar nicht aus, doch ist dieser klar von der Nachricht zu trennen und für den Nutzer zu erkennen.

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