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Kommentar Wirtschaft: Willkommener Stromstoß

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<span></span> Foto: (FNP)

In allen Vorstandsetagen der deutschen Automobilhersteller ist im Jahr 2016 der Abschied von der Benzin- und Dieseltechnologie eingeleitet worden. Der VW-Abgasskandal und die Kampfansage des US-Elektropioniers Tesla an die etablierten Hersteller haben wohl die letzten Zweifel beseitigt, den Verbrennungsmotor aufs Abstellgleis zu schieben. Die deutschen Autobauer setzen in Zukunft voll auf Elektromobilität. Ob BMW, Daimler oder der VW-Konzern mit seinen zwölf Marken, sie alle wollen in den nächsten Jahren Milliardensummen in die Entwicklung von batteriegetriebenen Autos stecken.

Doch das derzeitige Angebot an Stromern ist überschaubar. Denn die Nachfrage der Konsumenten ist sehr, sehr klein. Auch die vom Bund ausgelobte Umweltprämie beim Kauf eines E-Autos oder Plug-in-Hybrids hat das Nischendasein nicht beenden können. Das liegt am immer noch hohen Preis im Vergleich zu Benzinern oder Dieselautos. Das liegt aber ebenso an der fehlenden Ladeinfrastruktur in Deutschland und der nach wie vor bescheidenen Reichweite der Elektrofahrzeuge. Derzeit gibt es etwa 6800 öffentliche Ladepunkte und rund 150 Schnellladestationen in deutschen Landen. Das ist erbärmlich vor der einst von Kanzlerin Angela Merkel formulierten politischen Vision, dass bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen rollen sollen. Der Plan, Deutschland zum Pioniermarkt und Vorreiter für Europa zu machen, ist furchtbar in die Hose gegangen.

Nun haben die Autobauer aber das Heft des Handeln selbst in die Hand genommen. Ihre gestern geschmiedete Elektro-Allianz kommt zwar spät, aber sie kommt. Das ist gut so. Mit dem Ziel, 2017 weitere 400 Ladestationen an Autobahnen und Schnellstraßen einzurichten, geben die beteiligten Unternehmen die Richtung vor. Sie lassen Taten sprechen, statt Sonntagsreden zu halten. Ihre Initiative ist daher sehr zu begrüßen. Doch dieser Stromstoß reicht bei weitem nicht aus, das Land flächendeckend mit Stationen zum Stromtanken zu überziehen. Doch das ist die unabdingbare Voraussetzung, um eine nennenswerte Quote an Stromern unter den Neuzulassungen zu erreichen. Um dem Absatz von emissionsfreien Autos einen Schub zu geben, muss noch viel mehr passieren. Auch der Bund ist in der Pflicht, den Aufbau einer Lade-Infrastruktur kontinuierlich zu fördern. Arbeitgeber, Supermärkte, Parkhausbetreiber werden dann nachziehen, wenn der Absatz von E-Autos deutlich anzieht.

Nicht nachvollziehbar ist die Abstinenz von Opel. Der Rüsselsheimer Autobauer sieht sich in der Elektromobilität zwar gut positioniert, verweigert sich aber der neuen deutschen Elektro-Allianz. Bleibt zu hoffen, dass in der Opel-Führung das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen wurde. Denn einen Alleingang kann sich Opel nicht leisten. Und im Abseits stehen will die wiedererstarkte Marke doch wohl auch nicht?

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