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Kommentar: Wundersame Geldvermehrung

Von Das Klima retten und dabei eine ordentliche Rendite einstreichen? Da will doch gerade in Deutschland – dem Erfinder der grünen Energiewende – jeder dabei sein, oder?
Panagiotis Koutoumanos Foto: FNP Panagiotis Koutoumanos

Vor allem in Zeiten historischer Niedrigzinsen, in denen Spargeld, Tages- und Festgeld trotz bescheidener Inflationsrate reale Verluste bescheren. Entsprechend leicht ist es den Spin-Doktoren von Innogy gefallen, eine Euphorie um den Börsengang der RWE-Tochter zu entfachen, die sich nicht nur als „grün und geil“ präsentierte, sondern auch mit hohen Dividenden gelockt hat. Wenn das vermeintliche Öko-Unternehmen dann auch noch damit werben kann, dass der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock beherzt zugreift, steht die verheißungsvolle Börsen-Story vom Witwen-und Waisen-Papier, das sowohl für die politisch gewollte Transformation unserer Volkswirtschaft in eine nachhaltige Ökonomie steht als auch für eine nachhaltige Altersvorsorge.

Innogy-Vorstandsvorsitzender Peter Terium läutete gestern morgen im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse die Kursglocke.
Verhaltenes Börsendebüt für RWE-Tochter Innogy Kursfeuerwerk fällt aus

Der größte Börsengang in Deutschland seit dem Jahr 2000 ist geglückt. Doch auf den ersten Jubel folgt auf dem Parkett in Frankfurt schnell Ernüchterung.

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Dass die Realität indes etwas komplizierter ist, belegt der Umstand, dass beim gestrigen Börsen-Debüt von Innogy der Kurs nach einem kurzzeitigen Anstieg unter den stolzen Ausgabe-Preis fiel – bevor die Konsortialbanken ihn dann mit Stützungskäufen wieder auf genau das Niveau hievten. Heißt: Einige Anleger zogen es vor, Gewinne mitzunehmen. Und dabei wird kaum eine Rolle gespielt haben, dass die RWE-Tochter gar nicht so grün ist, wie sie daherkommt – gerade mal fünf Prozent des Stroms, den Innogy liefert, ist Ökostrom. Vielmehr spiegelt die bescheidene Börsen-Performance des Papiers dessen Risiken wider.

Das Versprechen hoher Dividenden ruht vor allem auf dem Netzgeschäft – dem größten Gewinnbringer von Innogy – in das das Gros des nun eingesammelten Geldes fließen soll. Aber dieses Geschäft wird unter Druck geraten. Zum einen wird die Bundesnetzagentur aufgrund der Niedrigzinsen am Finanzmarkt die für jeweils fünf Jahre erlaubte Eigenkapitalverzinsung von knapp über neun auf knapp unter sieben Prozent senken. Zum anderen steigt in dem Geschäft das Risiko von Fehlinvestitionen, weil mit der erforderlichen Digitalisierung der Netze die Betreiber in sehr kurzen Innovationszyklen wirtschaften müssen – umso mehr als der Staat über die „Anreizregulierung“ die Unternehmen verstärkt zu Effizienzsteigerung antreibt. Damit nicht genug, wird mit der EEG-Novelle auch das Geschäft mit der grünen Energie schwieriger: Der jährliche Ausbau aller grünen Stromerzeugungskapazitäten ist gedeckelt worden; und in Zukunft wird es keine garantierte Einspeisevergütungen für Ökostrom mehr geben – stattdessen werden Wind- und Solarprojekte in marktwirtschaftlichen Ausschreibungen an den günstigsten Anbieter vergeben. Die Margen werden also sinken.

Vor diesem Hintergrund stellt der Ausgabe-Preis für die Innogy-Aktie durchaus eine wundersame Geldvermehrung dar. Wird die RWE-Tochter damit doch höher bewertet als Eon und dessen Tochter Uniper zusammen – und das wo Eon zuvor mehr wert war als RWE. Da verwundert es nicht, dass die darbende Eon-Aktie gestern deutlicher Tagessieger im Dax war. Viele Anleger, denen der Innogy-Preis zu Recht zu hoch erschienen ist, werden sich stattdessen für ein Investment beim Wettbewerber entschieden haben.

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