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Kommentar: Zinsen: Brosamen

Foto: Arne Dedert
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Das Finanzsystem scheint auch zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise ein äußerst fragiles Gebilde zu sein. Zumindest erweckt es den Anschein, denn die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank geht mit dem Finanzsystem um, wie mit einem rohen Ei. Trotzdem stellt das Treffen der EZB vom vergangenen Donnerstag eine Zäsur dar.

Bei den Presseerklärungen der Notenbankchefs geht es immer wieder nicht nur darum, was gesagt wird. Es geht auch darum, was nicht gesagt wird. Dieses Mal fehlte der Hinweis darauf, dass das Anleiheaufkaufprogramm auch ausgeweitet werden könne. Ein Krümel.

Trotzdem werden noch viele Monate ins Land gehen, bis europäische Sparer auskömmliche Zinsen bei erträglichen Risiken erhalten werden. Rendite bedeutet Risiko. Das ist der Preis der Finanzkrise, den am Ende alle zahlen müssen. Auch die Banken übrigens. Sie stehen der Zinswende gespaltener gegenüber, als sie sagen. Die Ursache dafür liegt im Kreditgeschäft. Es ist Usus, lang laufende Kredite mit kurz laufenden Krediten zu finanzieren. Da lange Laufzeiten höher verzinst werden als kurze, entsteht so ein hübscher Gewinn.

Wenn die Zinsen steigen, dann werden die Zinsen von „Kurzläufern“ die von älteren, langlaufenden Kreditengagements für einige Zeit überholen. Für die ohnehin schon angespannte Gewinnsituation einiger Geldhäuser wird das zu einer weiteren Belastungsprobe werden.

Die Politik der kleinen Krümel nagt also so oder so am Gewinnkuchen. Es ist davon auszugehen, dass sich die klugen Köpfe in den Banken schon ihre Gedanken darüber gemacht haben werden, wie sie mit der Situation umgehen werden. Großes Krisenpotenzial verbirgt sich hinter der Zinswende nicht, wohl aber die Chance, dass eines fernen Tages die Ertragszinsen wieder über der Inflationsrate liegen. Erst dann nämlich ist ein Zins auch ein Zins.

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