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Kommentar Politik: Zuversichtlich ins neue Jahr

Von Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, ihr Glas zur Begrüßung des neuen Jahres nur halb leer getrunken haben, dann haben sie verhaltenspsychologisch die Zukunft vorweggenommen.
<span></span> Foto: Eric Richard (priv.)

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, ihr Glas zur Begrüßung des neuen Jahres nur halb leer getrunken haben, dann haben sie verhaltenspsychologisch die Zukunft vorweggenommen. Hoffnungen und Erwartungen der Deutschen mischen sich nämlich mit wachsenden Ängsten und Befürchtungen. Alles im Leben ist eben relativ – das wusste schon der Erfinder der Relativitätstheorie, Albert Einstein. „Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue Dich aufs Neue. Und war es schlecht, dann erst recht“, empfahl er seinen Zeitgenossen.

Unsere Mitmenschen leben im Zwiespalt der Gefühle. Die schrillen Missklänge der Pessimisten übertönen die beruhigenden Botschaften der Optimisten. Die Lebenszufriedenheit der Deutschen habe zugenommen ,befinden die Meinungsforscher, gleichzeitig verbreiten Befragungen die Furcht vor einer Verschlechterung der Lebensumstände durch steigende Migration, wachsende Kriminalität.

Die Angst vor dem Verlust von Beschäftigung ist bei stabiler Arbeitsmarktlage und guten Tariflöhnen gesunken, gleichzeitig macht eine Debatte über Altersarmut Schlagzeilen. Die Stabilisierung der Mitte wird von einem Ausfransen der Ränder der Gesellschaft begleitet, sagt der Reichtums- und Armutsbericht der Bundesregierung. Für die einen eine Erfolgsmeldung, für die anderen ein Alarmsignal.

Bange Blicke richten sich nach Brexit und Eurokrise auf die Präsidentschaft von Donald Trump in den USA. Wird der Freihandel Schaden nehmen, entfallen die USA als verlässliche Schutzmacht im Westen, wird es eine amerikanisch-russische Verbrüderung zu unseren Lasten geben?, lauten ebenso besorgte wie auch berechtigte Fragen. Es wäre anmaßend, Lehrmeister in Sachen Demokratie gegenüber den Amerikanern zu spielen. Die Verfassung dieser Weltmacht spricht nicht ohne Grund vom Glück der Freiheit. Auf die „Partnerschaft gemeinsamer Werte“ ist für mich Verlass.

Unabhängig davon sollten wir uns unserer Lieblingsneigung, der Verdrängung wichtiger Zukunftsfragen, nicht länger hingeben. Wer unser Land in Sicherheit und Freiheit erhalten will, muss erheblich mehr für die eigene Landesverteidigung tun. Es reicht nicht, als moralische Weltmacht US-Interventionen zu zensieren, gefragt sind mehr eigene Anstrengungen. Wenn jedes vierte, neugeborene Kind nach Expertenberechnungen statistisch hundert Jahre alt wird und 90 Prozent die Jahrhundertwende erreichen, wirkt unser Streit um eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit lächerlich.

2017 ist das Luther-Jahr. Wir erinnern uns an 500 Jahre Reformation. Wenn der Rebell und Verkünder eine aktuelle Botschaft für uns hat, dann ist es die der Freiheit: Scheue Dich nicht, das zu sagen, was Du denkst. Zwar war Luther nicht gerade der Erfinder von Toleranz, aber Klarheit, Wahrheit und Bekennermut prägen sein geistiges Erbe.

politik@fnp.de

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