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Prozess: 33-Jähriger gesteht im Missbrauchsfall von Staufen

Er nannte sich „Onkel Luc“ und sagte, er sei Kinderarzt. Er wollte Gewalt an und Sex mit Kindern: Ein Spanier steht in Freiburg vor Gericht. Er soll mehrfach ein Kind vergewaltigt und dafür Geld gezahlt haben.
Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte 33-Jährige aus der Nähe von Barcelona will in Therapie gehen. Foto: Patrick Seeger (dpa) Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte 33-Jährige aus der Nähe von Barcelona will in Therapie gehen.
Freiburg. 

Der Mann, der einem Kind nach eigenem Bekunden großes Leid zugefügt hat, verbirgt sein Gesicht hinter einer Aktenmappe. Er will nicht erkannt werden, wenn Kamerateams und Fotografen ihm im Gerichtssaal gegenüberstehen. Es ist der siebte und damit letzte Prozess im Missbrauchsfall Staufen bei Freiburg. Angeklagt ist ein 33 Jahre alter Mann aus Spanien. Zum Prozessauftakt am Donnerstag legt er ein Geständnis ab. Und spricht von seiner „dunklen Seite“. Er habe sexuelles Interesse an Kindern.

Mehr als ein halbes Jahr nach Bekanntwerden des Missbrauchsfalls ist der Mann aus der Nähe von Barcelona der vorerst letzte von insgesamt acht Angeklagten. Fünf Männer standen bislang jeweils einzeln vor Gericht und wurden verurteilt. Die Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig.

Gegen die Mutter des Kindes und ihren Lebensgefährten, beides Deutsche, wird derzeit gemeinsam verhandelt. Die Frau (48) und ihr wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafter Lebensgefährte (39) haben gestanden, den damals in Staufen bei Freiburg lebenden und heute zehn Jahre alten Jungen mehr als zwei Jahre lang im Darknet angeboten und Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben.

Ferienwohnung gemietet

Der Mann aus Spanien war einer dieser Männer. Laut Anklage verging er sich am häufigsten an dem Jungen. Zudem war er es, der am meisten Geld bezahlte. Mehr als 10 000 Euro sollen es gewesen sein. Hinzu kamen Kosten für Reisen und Übernachtungen. 20 000 bis 30 000 Euro habe er investiert, sagt er vor Gericht. Um seine Identität zu verbergen und Zugang zu Kindern und deren Eltern zu bekommen, habe er sich als in Belgien lebender, italienischer Kinderarzt ausgegeben. In Wirklichkeit arbeitete er in Spanien bei einer Futtermittelfirma.

Laut Anklage reiste der alleinstehende Mann, der sich „Onkel Luc“ nannte, von Anfang September 2016 bis August 2017 mehrmals von Barcelona aus per Flugzeug und Mietwagen ins mehr als 1000 Kilometer entfernte südliche Baden-Württemberg, um sich an dem Jungen zu vergehen. Für die Taten mietete er laut Anklage jeweils für ein ganzes Wochenende Ferienwohnungen in Kippenheim und Ringsheim nördlich von Freiburg. In diese zog er für mehrere Tage gemeinsam mit dem Kind, dessen Mutter und deren Lebensgefährten ein – es kam mehrfach zu Übergriffen. Alle drei Erwachsenen beteiligten sich.

Urteil im August

Staatsanwältin Nikola Novak berichtet von Gewalt-Exzessen, die der Junge tagelang über sich ergehen lassen musste. Der Junge sei erniedrigt, beleidigt, gedemütigt, geschlagen, gefesselt, maskiert und sexuell misshandelt worden. Er habe „heftige Schmerzen“ gehabt, sei „verängstigt und eingeschüchtert“ gewesen. Abwehrhandlungen seien „mit einfacher körperlicher Gewalt“ unterbunden worden. Der Junge habe sichtbar „Ekel und Schmerz“ verspürt. Die Taten wurden gefilmt. „Mit ist bewusst, dass ich schwere Straftaten begangen und dem Jungen großes Leid zugefügt habe“, sagt der Spanier. Er wisse, dass das Kind sein Leben lang darunter leiden werde. „Ich werde dafür lange büßen“, sagt der 33-Jährige. Sein Wunsch sei es, eine Therapie machen zu können. Er habe sexuelles Verlangen nach Kindern. „Peitschen und Schlagen“ seien seine Fantasien.

Der Prozess gegen den Spanier wird fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft will, wie zuvor bei anderen Angeklagten auch, eine langjährige Haftstrafe und anschließende Sicherungsverwahrung erreichen. Ein Urteil soll es Anfang August geben.

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