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Abel Ferrara: Als Künstler an vorderster Front

Abel Ferrara in Cannes. Foto: Sabine Glaubitz Abel Ferrara in Cannes. Foto: Sabine Glaubitz
Cannes. 

Abel Ferrara (62) taucht mit seiner Kamera gern in die Abgründe des menschlichen Daseins ein. In seinem neuen Streifen «Welcome To New York» greift der US-amerikanische Filmemacher («Bad Lieutenant») einen Sexskandal des ehemaligen Chefs des Weltwährungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, auf.

Mit einer Verleumdungsklage will der 65-jährige Franzose nun gegen Ferrara vorgehen, kündigte sein Anwalt an. In einem Gespräch in Cannes, wo der Film am Rande des Festivals gezeigt wurde, sprach Ferrara am Montagabend mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) darüber, warum er aus den Vorfällen in New York unbedingt einen Film machen wollte.

Frage: Dominique Strauss-Kahn will gerichtliche Schritte einleiten. Ihr Film greife die alten Vergewaltigungsvorwürfe auf, sei zudem antisemitisch, «Dreck» und «wie ein Haufen Hundescheiße». Waren Sie auf eine solche Reaktion gefasst?

Antwort: Nein. Aber ich kann und will nicht darüber reden. Mein Anwalt hat mir geraten, kein Sterbenswort darüber zu verlieren.

Frage: Was hat Sie zu diesem umstrittenen Film inspiriert?

Antwort: Ich bin Künstler. Ich reagiere auf Ereignisse, ich reagiere auf Dinge, die ich sehe und fühle. Ich bin Filmemacher. Das gehört zu meiner persönlichen Freiheit. Ich verurteile niemanden.

Frage: Diese Geschichte ist vielschichtig und kompliziert. Suchten Sie eine Herausforderung?

Antwort: Nein. Mich faszinieren solche Storys, die Ausmaße annehmen, die kaum noch überschaubar sind. Anwälte und Medien tauchen darin auf, wie jetzt. Da entwickeln sich Eigendynamiken, die schwer kontrollierbar sind.

Frage: Sie halten sich eng an die über die New Yorker Affäre bekannten Informationen, die inzwischen durch eine außergerichtliche Einigung beigelegt wurde. Im Grunde haben Sie nur die Namen der Protagonisten geändert. Um Ärger zu vermeiden, den Sie jetzt scheinbar doch bekommen?

Antwort: Ich habe mit «Welcome To New York» keinen Dokumentarfilm gedreht, auch keinen Film über mich oder Gérard Depardieu, der darin die Hauptrolle spielt. Wir haben einen «King Lear» gedreht, wo ist das Problem? Da geht es um Shakespeare-Themen wie Macht, Frauen und Geld.

Frage: Würden Sie den Film trotz des Ärgers nochmals drehen?

Antwort. Natürlich. Ich habe das Recht, Geschichten zu drehen. Ich stehe dazu. Als Filmemacher stehst du in vorderster Front. Die Kugeln kommen und treffen zuerst dich.

Frage: Man wirft Ihnen Antisemitismus vor. Die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (LICRA) will sich den Film anschauen. Haben Sie Angst vor weiteren Klagen?

Antwort: Von Antisemitismus ist keine Spur. Ein Paar streitet sich, und da werden Dinge gesagt, die verletzen.

ZUR PERSON: Abel Ferrara (62) ist ein amerikanischer Filmemacher. Sein Streifen «Bad Lieutenant» (1992) über einen drogenabhängigen Polizisten war ein Skandal bei den Filmfestspielen in Cannes. Der in New York geborene Ferrara führte auch bei «Body Snatchers» (1993) und «Das Begräbnis» (1996) Regie.

(Interview: Sabine Glaubitz, dpa)
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