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Alles umsonst: Der Free Store in New York

Wer hier einkauft, kann seine Geldbörse stecken lassen: Im Free Store in New York gibt es alles kostenlos. Foto: Helena Golz Wer hier einkauft, kann seine Geldbörse stecken lassen: Im Free Store in New York gibt es alles kostenlos. Foto: Helena Golz
New York. 

Bücher, Deko, Schuhe, Technik: Der kleine Markt am Herbert von King Park in New Yorks Viertel Bedford-Stuyvesant sieht wie ein normaler Flohmarkt aus. Aber eines werden die Besucher hier niemals finden: ein Preisschild. Alles ist umsonst.

Thaddeus Umpster wird nicht müde zu wiederholen: «Fühlt euch frei! Ihr dürft alles mitnehmen!» Der 33-jährige Organisator des Brooklyn Free Stores schmunzelt nur, wenn man ihn fragt, wie oft er das pro Tag sagt. Immer wieder finden die Besucher des Umsonst-Marktes kleine Schätze: Bücher für den Schulunterricht oder Krepppapier für die Halloween-Deko. Wer den Free Store nicht kennt, ist verdutzt, dass er nicht zahlen muss. Eine junge Frau trägt einen Stapel Bücher auf dem Arm: «Die habe ich lange gesucht. Ich kann nicht glauben, dass ich sie jetzt einfach einstecken darf», sagt sie glücklich.

«Das Prinzip des Free Stores ist einfach. Jeder kann Dinge vorbeibringen, für die er keine Verwendung mehr hat. Und jeder kann Dinge mitnehmen, die er braucht und die ihm gefallen», sagt Oscar. Der 26-Jährige hilft seit anderthalb Jahren bei der Organisation. Der Markt findet einmal in der Woche am Freitag statt. Was am Ende übrig bleibt, wird mit Fahrrädern in einen nahe gelegenen Abstellraum gefahren und beim nächsten Mal wieder mitgenommen.

Es sei schon alles dabei gewesen - ein Herd oder gar Betonblöcke, sagt Thaddeus Umpster. Zeitweise seien auch kostenlose Haarschnitte und Fahrradreparaturen angeboten worden - und sogar Aids-Tests und Zahnuntersuchungen. «Wir hatten einen Zahnarzt eingeladen, und er ist tatsächlich gekommen.»

Brooklyns Free Store hat eine bewegte Geschichte. Jessica Baldwin eröffnete den ersten Free Store im Nachbarviertel Williamsburg im Jahr 2001. Eigentlich sollte der Laden nur ein paar Monate offen sein. Damals war der Free Store noch ein richtiges Geschäft mit Schaufenstern und einer Tür, auch wenn diese immer offen stand. Dann musste der Laden aufgegeben werden. Immer auf der Suche nach einer neuen Bleibe war der Free Store mal in einem Zelt, mal in einer selbstgebauten Holzhütte untergebracht. Nach einem Feuer im März 2011, das den Holzbau zerstörte, zog man auf die Straße nach Bedford-Stuyvesant. Jetzt ist es mehr ein Markt als ein Laden, doch der Name blieb.

Manchen der ehrenamtlichen Helfer des Free Stores geht es einfach um Nachbarschaftshilfe. Oscars und Thaddeus' Engagement aber hat politische Gründe. Sie möchten mit dem Free Store eine Alternative zum «Mainstream-Kapitalismus» bieten und gleichzeitig mit Recycling die Umwelt schonen.

Ihre ungewöhnliche Idee bezeichnen sie als «Geschenke-Wirtschaft». Sie wollen zeigen, dass Anarchie kein Chaos, sondern gegenseitiges Helfen bedeuten kann. Jeder kann sich hier vollkommen frei fühlen. Nur einen einzigen Hinweis geben Thaddeus und Oscar: Man solle auf seine persönlichen Sachen aufpassen und nicht die eigene Handtasche stecken - zwischen Bücher, Deko, Schuhe und Technik.

(Von Helena Golz, dpa)
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