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Filmstar Jerry Lewis: Amerikas oberster Filmclown ist tot

Mit Klamauk und Grimassen brachte Jerry Lewis die Welt zum Lachen. Seinen Aufstieg erlebte er an der Seite von Dean Martin. Danach feierte er Solo-Erfolge, ob als Trottel oder verrückter Professor. Die Karriere von Amerikas Oberclown prägte eine Generation.
Grimassen als Markenzeichen: Jerry Lewis 1976 in Montreux Foto: Istvan Bajzat (dpa) Grimassen als Markenzeichen: Jerry Lewis 1976 in Montreux
Los Angeles. 

Als Schauspieler, Regisseur, Wohltäter und komischer Kauz hat Jerry Lewis einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Als der US-amerikanische Komiker 2014 einen zweiten Stern auf dem berühmten Walk of Fame in Hollywood erhielt, blödelte er herum und biss Regisseur Quentin Tarantino in die Hand. Der feierte ihn danach trotzdem als „Schatz“ und „einen der größten Schauspieler und Regisseure in der Geschichte des Kinos“.

Nun trauern seine Familie, Freunde, Fans und Kollegen. Lewis ist mit 91 Jahren gestorben. Nach Angaben seine Familie starb er am Sonntag in seinem Haus in Las Vegas eines natürlichen Todes, friedlich im Kreise seiner Angehörigen.

Siebzig Jahre Karriere

Seine Karriere umfasste sieben Jahrzehnte. Erst als eine Hälfte des Komiker-Duos Martin und Lewis in den 1940er und 50er Jahren, dann bis zu den 70ern als Slapstick-Filmstar und Regisseur – und schließlich in größeren Rollen in Hollywood und auf dem Broadway. Lewis arbeitete auch noch mit über 90. „Ich frage mich auch manchmal, wo ich die ganze verdammte Energie hernehme“, sagte er 2014 dem Magazin „GQ“.

Die Liebe zur Bühne bekam Lewis, der 1926 in Newark im US-Bundesstaat New Jersey als Joseph Levitch geboren wurde, von seinen Eltern. Vater Danny Levitch, ein Nachtclubsänger, brachte mit seinem komischen Talent auf der Bühne den Saal zum Kochen. Sein Sohn, der nach eigener Aussage mit „Schminke im Blut“ aufwuchs, wurde süchtig nach Applaus und tingelte schon mit 18 als Alleinunterhalter durch die Clubs.

Den Durchbruch schaffte er, als er 1945 den neun Jahre älteren italo-amerikanischen Schnulzensänger Paul Dino Crocetti kennenlernte, der sich Dean Martin nannte. Martin sei für ihn „der große Bruder, den ich nie hatte“ gewesen, erzählte Lewis. Sie waren das perfekte Paar: der gut aussehende Martin in der Rolle des seriösen Charmeurs, Lewis als blödelnder Kindskopf und tollpatschiger Clown.

„Sie waren wie Rockstars, bevor es Rockstars gab“, schrieb die „New York Times“. Damit landeten sie auf dem Olymp des Unterhaltungsgeschäfts: Von Charlie Chaplin holte sich Lewis Tipps fürs Schneiden seiner Filme, und der alternde Stan Laurel erzählte ihm viele Abende lang von seinen Frauengeschichten.

Doch nach etwa zehn gemeinsamen Bühnenjahren zerstritten sich Lewis und Martin und sprachen 20 Jahre kein Wort mehr miteinander. Nach der Versöhnung schrieb Lewis das Buch „Dean and Me – A Love Story“. Aber auch solo begeisterte er die Massen. Er drehte Kassenknüller wie „Der Regimentstrottel“, „Geisha Boy“, „Hallo, Page“ und „Geld spielt keine Rolle“.

Der verrückte Professor

Als Höhepunkt seiner Blödelkunst gilt „Der verrückte Professor“ von 1963. „Mein Baby“ nannte Lewis den Film. Aber auch in dramatischen Rollen wie 1981 an der Seite von Robert de Niro in „King of Comedy“ feierte er Erfolge. Lewis spielte in mehr als 80 Kino- und Fernsehfilmen und führte Regie in über einem Dutzend anderer. Doch nicht auf all seine Arbeit war er stolz.

Sein Film über einen deutschen Zirkusclown, der nach einem abfälligen Kommentar über Adolf Hitler ins Konzentrationslager kommt, wo er jüdische Kinder erst zum Lachen bringt und sie dann in die Gaskammern führen soll, kam nie an die Öffentlichkeit. Das Scheitern mit dem 1972 gedrehten „The Day The Clown Cried“ beschäftigte Lewis so sehr, dass er mehr als zehn Jahre lang keinen Film mehr drehte.

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