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Portrait: Astronaut Alexander Gerst: Wer ist der Typ im Raumanzug?

Vor gut 30 Jahren war er ein kleiner Junge mit einem großen Traum. Alexander Gerst wurde tatsächlich Astronaut. Nun darf er schon zum zweiten Mal ins All. Wer ist der Typ im Raumanzug?
Alexander Gerst wollte schon als Kind Astronaut werden. Bilder > Foto: © BR, bildmanagement@br.de (BR Bayerischer Rundfunk) Alexander Gerst wollte schon als Kind Astronaut werden.
Berlin. 

Überbordende Neugier war Alexander Gerst quasi in die Wiege gelegt. „Als kleiner Junge schon habe ich mich für alles interessiert, was mit der Entdeckung der Welt zu tun hatte: für Vulkane, Stürme, Erdgeschichte, ferne Kulturen und Länder – und für das All“, schreibt Gerst, geboren am 3. Mai 1976 in Künzelsau (Baden-Württemberg), in seinem Buch „166 Tage im All“. „Vollkommen irre“ habe er es gefunden, als sein Großvater – ein Amateurfunker – seine Antenne so ausrichtete, dass die Stimme seines damals sechsjährigen Enkels zum Mond und wieder zurück reiste.

Generell habe ihn seine Familie stets bestärkt, betonte der 42-Jährige, der zwei jüngere Brüder hat, im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. „Sie haben mich machen lassen, als ich als kleines Kind neugierig hinter jede Ecke geschaut habe und auf jeden Baum klettern wollte.“

Festes Ziel vor Augen

Gerst studierte Geophysik, erklomm Vulkane in der Antarktis, Vanuatu und Äthiopien. Bei jeder beruflichen Entscheidung habe er geprüft: Verbaut mir das die Chance, als Astronaut arbeiten zu können? „Ich hatte schon immer den Traum, dass ich mich mal als Astronaut bewerben wollte“, erklärt er in einem „Omega Tau“-Podcast.

 

2008 schrieb die europäische Raumfahrtagentur Esa Astronauten-Stellen aus. Nach einer Reihe „sauschwerer“ Tests für die anfangs mehr als 8400 Bewerber stand fest: Alexander Gerst wird Astronaut. Am 28. Mai 2014 startete er für ein halbes Jahr zur Internationalen Raumstation (ISS).

Für die Esa war Gerst ein Geschenk des Himmels: „Astro-Alex“ macht – groß, durchtrainiert und kahlrasiert – etwas her als Botschafter für die Raumfahrt. Wie wohl kein ISS-Mitglied zuvor ließ er die Welt über Social-Media-Botschaften und Fotos teilhaben an seinem Abenteuer.

Zahlreich ausgezeichnet

„Gerade eben 16 300 km auf dem Laufband gelaufen (35 Minuten mit 28 000 km/h)“, verlautbarte er auf Twitter, oder auch: „In zwei Wochen fliegen wir zurück zur Erde. Ich werde die Rückwärtssalto beim Zähneputzen vermissen.“ Auf die Rückkehr von der „Blue Dot“-Mission (Blauer Punkt) folgte ein Marathon an Vorträgen und Auszeichnungen. Bundespräsident Joachim Gauck überreichte Gerst 2015 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Sogar ein Asteroid wurde nach ihm benannt.

Im Mai 2016 wurde bekanntgegeben: Astro-Alex macht’s noch mal – diesmal für drei der sechs Monate sogar als Kommandant. „Das ist eine tolle Sache für mich“, freute sich Gerst – und selbst die Bundeskanzlerin gratulierte. Heute geht es nun los. Was er vermissen wird im All? „Das Baden im See. Das Grillen auf der Dachterrasse von Freunden. Das Joggen im Sommerregen. Auch ganz einfache, selbstverständliche Dinge wie den Geruch von Wald oder das Rascheln von Gras.“

Seine Botschaften von der ISS versteht Gerst auch als Appell an die Menschheit, die Erde zu schützen. Auch er bemühe sich: „Ich versuche schon für mich selbst, ein bisschen nachhaltiger zu sein.“ Was nicht ganz einfach sein dürfte bei einem Mann mit einem Wohnsitz und zwei Dienstsitzen, der für die letzte Mission etwa 400 000 Kilometer geflogen ist, wie es in seinem Buch heißt – und damit einen wohl Tausende Male größeren CO2-Fußabdruck hat als die meisten Menschen auf der Welt.

Wichtig ist Gerst die Arbeit mit Kindern. Er selbst sei als Junge von den Raumfahrern im Space Shuttle inspiriert worden, sagt Gerst. „Das prägt als Kind, wenn man sieht, die Welt um uns rum erlaubt mir dies und jenes zu tun, und wenn ich will, kann ich sogar in den Weltraum fliegen.“ Eines möchte der 42-Jährige bei seiner Mission unbedingt herausfinden: Ob sich ein in Streifen geschnittenes Papier vor einer Lüftung tatsächlich wie Blätterrascheln anhört. „Ich habe vor einigen Monaten einen alten russischen Film gesehen, „Solaris“, da gibt es eine Szene, in der Astronauten das machen“, so Gerst.

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