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Ehrfurcht vor dem Weltraum: Astronaut Thomas Reiter träumt mit 60 immer noch von den Sternen

Schon als Kind wollte der gebürtige Hesse Thomas Reiter ins Weltall fliegen. Sein Traum wurde wahr. Er ging sogar als erster Deutscher im Weltraum spazieren – aber trotz aller Begeisterung sieht er auch die Kehrseiten des Berufs.
Völlig schwerelos: Der deutsche Astronaut Thomas Reiter hantiert 2006 an Bord der Internationalen Raumstation ISS mit Teilen der Laborgefriereinrichtung Foto: (NASA) Völlig schwerelos: Der deutsche Astronaut Thomas Reiter hantiert 2006 an Bord der Internationalen Raumstation ISS mit Teilen der Laborgefriereinrichtung
Rastede. 

Nein, Angst hatte Thomas Reiter nie. Er war der erste deutsche Astronaut, der einen Weltraumspaziergang unternahm. Er war auch der erste Europäer, der ein halbes Jahr auf der russischen Raumstation Mir und später auf der Internationalen Raumstation ISS verbrachte. „Man hat Ehrfurcht“, sagt Reiter heute über seine Zeit im All. An diesem Mittwoch wird er 60 Jahre alt und ist als Astronaut längst im Ruhestand. Dennoch lässt ihn die Raumfahrt nicht los.

„Die Erinnerungen sind so präsent, als wäre es gestern gewesen“, sagt Reiter. „Die Erde aus dieser Perspektive zu sehen, ist was ganz Besonderes.“ Wenn er etwas Freizeit auf der Raumstation hatte, schaute er deshalb gerne aus dem Fenster, spielte auf seiner Gitarre oder hörte Musik – zum Beispiel Pink Floyd, Fleetwood Mac, Pat Matheney oder Till Brönner.

Bei Esa beworben

Schon als Kind träumte der gebürtige Hesse davon, zu den Sternen zu fliegen. Elf Jahre war er alt, als die Amerikaner erstmals auf dem Mond landeten. Dass der Traum sich erfüllen würde, daran glaubte er damals nicht. Deshalb ging Reiter nach dem Abitur zur Bundeswehr, studierte Luft- und Raumfahrttechnik und wurde Pilot für Kampfflugzeuge in Niedersachsen. 1989 bewarb sich Reiter wie mehr als 22 000 andere als Astronaut bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa – und hatte Erfolg.

1993 begann er seine Ausbildung, zwei Jahre später flog er zur Mir. 179 Tage verbrachte Reiter als achter Deutscher im All. Fast genauso lange blieb er 2006 auf der ISS. „Das macht ihn zum erfahrensten deutschen Astronauten“, sagt Matthias Knopp, der am Deutschen Museum in München die Abteilung für Luft- und Raumfahrt leitet. Auch aus heutiger Sicht waren seine Missionen etwas Besonderes. „Einen Raumspaziergang zu machen ist viel Aufwand. Man muss sehr lange dafür trainieren, und man muss schon sehr gut sein“, sagt Ulrich Walter, der 1993 als Astronaut auf dem US-Space Shuttle flog.

Deutsche im Weltall

„Astronaut ist ein toller Beruf“, sagt Reiter. Doch es gebe auch eine Kehrseite: „Für die Familie ist das eine belastende Zeit. Man ist wenig zu Hause, man muss permanent lernen und sich auf Prüfungen vorbereiten.“ Die Begeisterung für Technik haben seine beiden Söhne geerbt. Sie studieren Mechatronik und Maschinenbau. Ob sie später auch mal Astronauten werden? „Sie haben ihren eigenen Weg gewählt. Mal sehen, in welche Richtung das führt“, sagt Reiter.

Den Raumanzug hat Reiter schon vor Jahren gegen Anzug, Hemd und Krawatte getauscht. Heute arbeitet er bei der Esa in Darmstadt und koordiniert dort die Zusammenarbeit mit anderen Raumfahrtagenturen. An den Wochenenden fährt er nach Hause zu seiner Familie im niedersächsischen Rastede bei Oldenburg.

Er fiebert mit

Wenn der deutsche Astronaut Alexander Gerst im Juni zur ISS startet – und dann ebenfalls ein zweites Mal längere Zeit im All verbringt – wird Reiter von der Erde aus mitfiebern. Er selbst würde jederzeit wieder ins All reisen – doch diese Zeit ist vorbei, betont Reiter: „Irgendwann kommt in jedem Beruf der Moment, dann ist die nächste Generation dran.“

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