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Soul- und Blues-Musik im Fokus, aber auch Jazz und Gospel: Auf Maddie warten Präsente

Heute jährt sich zum zehnten Mal der Tag, an dem Madeleine McCann aus der Ferienwohnung in Portugal verschwunden ist. Doch weder die Eltern noch die Polizei wollen die Hoffnung aufgeben. Die Mutter, die immer wieder an die Öffentlichkeit geht, nannte den Jahrestag eine „furchtbare Erinnerung an gestohlene Zeit“.
Blumen stehen vor einem Bild von Madeleine McCann (Maddie). Sie verschwand heute vor zehn Jahren. Bilder > Foto: Luis Forra (LUSA FILE) Blumen stehen vor einem Bild von Madeleine McCann (Maddie). Sie verschwand heute vor zehn Jahren.
London. 

Im Kinderzimmer hat sich nichts verändert bis auf die vielen ungeöffneten Geburtstagsgeschenke und Weihnachtspräsente. Sie stapeln sich im Raum und warten darauf, endlich von einem 13 Jahre alten Mädchen aufgemacht zu werden. Doch seit zehn Jahren sind sie lediglich Symbol für die unerschütterliche Überzeugung von Kate und Gerry McCann, dass ihre Tochter Madeleine eines Tages nach Hause zurückkehren wird.

Die damals Dreijährige verschwand am 3. Mai 1997 während eines Urlaubs an der portugiesischen Algarve aus einer Ferienanlage. Seitdem vergeht kaum eine Woche, in dem Maddie nicht die Boulevardpresse auf der Insel beschäftigt – ob sich ein Kindermädchen äußert oder ein Beobachter neue Beweise entdeckt haben mag. Trotzdem bleibt der Fall ungeklärt. Er gehört zu den aufsehenerregendsten und mysteriösesten der britischen Kriminalgeschichte.

Am Tor des Hauses der Familie in Rothley in der mittelenglischen Grafschaft Leicestershire sind grüne und gelbe Bänder angebunden – die Farben für Hoffnung und Solidarität. Im vergangenen Jahrzehnt aber hat der Kummer überwogen. „Wir vermissen sie jeden Tag“, sagten die Eltern mehrfach vor Kameras und Kate McCann bezeichnete den anstehenden Jahrestag in einer emotionalen Nachricht an die Öffentlichkeit als eine „furchtbare Erinnerung an gestohlene Zeit“.

Sie hat nie wieder als Allgemeinärztin gearbeitet, sondern sich um die beiden jüngeren Zwillinge gekümmert. Er machte als Kardiologe Karriere. Und doch lässt die beiden die Vergangenheit nicht los. Sie würden „niemals aufgeben“. Trotzdem seien sie es ihren Kindern schuldig, sicherzustellen, dass deren Leben „so erfüllend ist wie sie es verdienen“, meinten sie in einem Interview, das am Wochenende ausgestrahlt wurde.

Am Abend des schicksalhaften 3. Mai brachte die Mutter ihre Tochter Maddie sowie die jüngeren Zwillinge nach einem aufregenden Tag am Meer ins Bett. Die Familie hatte die Ferienwohnung 5A in einer Anlage in Praia da Luz gemietet. Erdgeschoss, zwei Zimmer, Terrasse. Die drei Kinder schliefen gemeinsam in einem Raum.

Kate und Gerry verschlossen die Fenster und Haustür, bevor sie sich noch mit Freunden zum Abendessen in der nahen Tapas-Bar trafen. Nur die Schiebetür zur Terrasse ließen sie offen, so dass sie jederzeit schnell nach den Kindern sehen konnten. Kurz nach neun schaute der Vater vorbei und fand seine Kinder schlafend vor. Noch dachte er für sich, welch großes Glück er und seine Frau doch haben, wie er später erzählte.

Fotos gingen um die Welt

Das wurde jäh zerstört, als die Mutter um 21.55 Uhr ein leeres Bett vorfand. Madeleine war verschwunden. Um 22.14 Uhr meldeten die Eltern sie bei der Polizei als vermisst. Eine groß angelegte Suchaktion begann, die McCanns starteten eine aufwendige Medienkampagne und als die portugiesischen Behörden die Ermittlungen einstellten, heuerten sie Privatdetektive an. Dann leitete Scotland Yard ein eigenes Verfahren ein und auch in Portugal nahm man die Untersuchung wieder auf. Die Fotos des kleinen, blonden Mädchen gingen derweil um die Welt. Auf der Website namens „Find Madeleine“ werden zudem regelmäßig Bilder veröffentlicht, auf denen sie künstlich gealtert dargestellt wird.

Kurzzeitig standen sogar die Eltern selbst im Zentrum der Ermittlungen. Und bis vor kurzem lieferten sie sich einen erbitterten Rechtsstreit mit dem ehemaligen portugiesischen Chefermittler Gonçalo Amaral, der nicht an eine Entführung glauben will. In seinem 2008 erschienenen Buch „Die Wahrheit über die Lüge“ mutmaßte er, dass das Kind bei einem Unfall ums Leben gekommen sei und die Eltern die Tragödie vertuschen wollten. Im Februar entschied der Oberste Gerichtshof Portugals, dass Amaral entgegen einem früheren Urteil die McCanns nicht entschädigen muss. Zudem darf er weiterhin seine Theorie in der Öffentlichkeit vertreten.

Die britische Polizei schließt eine Beteiligung der Eltern an einem Verbrechen derweil aus, wie Mark Rowley, Leiter für Sonderermittlungen bei Scotland Yard, erst kürzlich betonte. Die Beamten nehmen noch immer an, dass Maddie entführt wurde. Es gebe eine „kleine Zahl von entscheidenden Ermittlungssträngen“, so Rowley.

Seit die Untersuchung von britischer Seite aufgenommen wurde, durchforsteten bis zu 30 Beamte rund 40 000 Dokumente und befragten mehr als 600 Menschen. Umgerechnet mehr als 13 Millionen Euro sollen allein die Ermittlungen im Königreich gekostet haben. Im März bewilligte das Innenministerium weitere 85 000 Pfund.

Die Hoffnung, sie wird nicht aufgegeben. Und so werden die McCanns auch weiterhin zu jedem Geburtstag von Madeleine und jährlich zum Weihnachtsfest Geschenke für ihre Tochter kaufen und zu all den anderen in ihrem Zimmer legen – auch wenn das Rätsel um ihr Verschwinden unter Umständen nie gelöst werden wird.

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