E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 27°C
1 Kommentar

Klimawandel: Das Eis schmilzt, die Schiffe kommen

Das Eis in der Arktis schwindet. Handelsschiffe dringen in früher unbefahrbare Gebiete vor. Noch sind es wenige. Doch Experten sind sich einig: Es werden mehr.
Wissenschaftler schauen auf Treibeis in der kanadisch-arktischen Victoria Strait. Dort könnte eine neue Schifffahrtsroute entstehen. Foto: David Goldman (AP) Wissenschaftler schauen auf Treibeis in der kanadisch-arktischen Victoria Strait. Dort könnte eine neue Schifffahrtsroute entstehen.
Bremerhaven. 

Eisberge, die majestätisch aus dem Wasser ragen, Eisbären, Schneestürme, klirrende Kälte – lange Zeit wagten sich nur Abenteurer und Forscher in die Arktis. Doch durch den Klimawandel sind einst unzugängliche Seewege inzwischen im Sommer regelmäßig befahrbar. Das macht den hohen Norden für Frachtschiffe und auch für Kreuzfahrer interessant, die eine Expedition in die Wildnis unternehmen wollen. Mit Folgen für Wale und andere Meeressäuger, die entlang der Routen leben. Seit Anfang der 2000er Jahre geht das arktische Meereis im Sommer drastisch zurück. Besonders deutlich wurde das am 29. August 2008: Erstmals waren die Nordost- und die Nordwestpassage gleichzeitig eisfrei, wie das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) bekanntgab. Seitdem hätten sich die Zeiten im Sommer verlängert, in denen beide Strecken für Schiffe ohne Unterstützung von Eisbrechern befahrbar seien, sagt der AWI-Meereis-Experte Christian Haas und prognostiziert: „Das wird sich weiter ausweiten.“ Allerdings gebe es von Jahr zu Jahr Schwankungen.

Wie stark die Erwärmung rund um den Nordpol voranschreiten wird, kann kein Klimaexperte genau sagen. Aber: „Alle sind sich einig, dass die Arktis in den nächsten 30 bis 50 Jahren eisfrei sein wird“, sagt Haas. „Das führt zu einem Anstieg der Schifffahrt im Allgemeinen.“

Deutlich kürzer

Als eisfrei bezeichnen Forscher die Arktis, wenn die Eisbedeckung im Sommer unter 1 Million Quadratkilometer sinkt. Zum Vergleich: Beim bisherigen Minusrekord im Jahr 2012 lag sie bei 3,6 Millionen Quadratkilometern. In diesem Jahr erwarten Haas und seine Kollegen, dass 4,5 Millionen Quadratkilometer der Arktis mit Meereis bedeckt sind. Ob die Nordwestpassage dann eisfrei sein wird, ist noch unklar.

Der etwa 5800 lange Seeweg verläuft nordöstlich des amerikanischen Kontinents und verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Die Nordostpassage dagegen ermöglicht Schiffen, nördlich des asiatischen Festlands vom Atlantik in den Pazifik zu gelangen. Jahrhunderte träumten Seefahrer von einer nördlichen Route, die die Fahrt von Nordeuropa nach Ostasien deutlich verkürzen würde. Jetzt eröffnet die Eisschmelze ihnen diese Option.

2009 schickte die damalige Bremer Beluga-Reederei erstmals zwei deutsche Schwergutfrachter durch die rund 6000 Kilometer lange Nordostpassage. Seitdem ist der Schiffsverkehr in der Region kontinuierlich gestiegen, allerdings auf sehr niedrigem Niveau.

Transport von Rohstoffen

Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen bremst deshalb die Erwartungen: „Das sind nur zeitweise freie Strecken.“ Für den Linienverkehr der großen Containerreedereien sei es schwierig, sie zu nutzen: Nur im Sommerhalbjahr könnten sie über die Arktis fahren, im Winterhalbjahr müsse man die klassische Route durch den Suezkanal nehmen. Für den Transport von Rohstoffen und Schwerlasten könne die Fahrt durchs Nordpolarmeer dagegen schon Sinn machen.

„Wir sehen eine Zunahme in die Region und wieder raus“, sagt auch Christof Schwaner vom Verband Deutscher Reeder. Dass Schiffe tatsächlich durch die komplette Nordostpassage führen, komme aber seltener vor. Eine Abkürzung sei dies nur auf der Strecke zwischen Europa und Japan. Und: „Die Nordwestpassage steht bislang als alternativer Transportweg zum Panamakanal nicht zur Debatte“, ergänzt er. Die wichtigen Häfen an der US-Küste seien dadurch nicht schneller erreichbar.

Zur Startseite Mehr aus Panorama

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen