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Londoner Big Ben läutet zum letzten Mal vor vierjähriger Pause: Das letzte Stündlein hat geschlagen

Gestern um 12 Uhr läutete die Glocke Big Ben zum vorerst letzten Mal. Wegen Renovierungsarbeiten am Elizabeth Tower, dem berühmten Londoner Uhrturm, schweigen die Glocken vier Jahre lang – ein Umstand, der sogar die Politik umtreibt. Selbst Premierministerin Theresa May mischte sich ein und zahlreiche Abgeordnete protestierten lautstark. Tenor: Nicht einmal die deutsche Luftwaffe habe es geschafft, das Geläut zu unterbinden.
Touristen versammelten sich gestern vor dem Palace of Westminster in London während des vorerst letzten Glockenschlags des Big Ben. Foto: Frank Augstein (AP) Touristen versammelten sich gestern vor dem Palace of Westminster in London während des vorerst letzten Glockenschlags des Big Ben.
London. 

Zwölf Mal klang das dunkle Bong durch das Regierungsviertel. Das Stimmengewirr verstummte, die schwarzen Taxis hielten am Straßenrand an und deren Fahrgäste kurz inne, rote Doppeldeckerbusse stoppten ebenfalls und tausende Menschen, die sich auf den Gehsteigen versammelt hatten, blickten auf die altehrwürdige Uhr im Elizabeth Tower und knipsten deren Zeiger, der exakt auf 12 Uhr stand. Als das zwölfte „Gong“ durch die Straßen hallte, hatte im übertragenen Sinne die vorerst letzte Stunde geschlagen. Und in der Menge brandete Applaus auf, als sei gerade ein Feuerwerk gezündet worden.

Immerhin, Big Ben, die größte der fünf Glocken des berühmten Uhrturms Elizabeth Tower am Westminster-Palast, gilt als die Königin aller Glocken. Die Ikone aus Viktorianischer Zeit ist 2,28 Meter groß und 13,7 Tonnen schwer, was ungefähr einem Gewicht von drei kleinen Afrikanischen Elefanten entspricht, wie eine britische Zeitung betonte.

„Big Ben gehört zu London wie die Queen und die roten Telefonzellen“, meinten zwei deutsche Touristinnen, die eine Woche Urlaub in der Stadt machen. Für sie war es ein ganz besonderer Moment, „dass wir beim letzten Geläut dabei sein können“. Denn nach 157 Jahren im Dienst wird die Uhr, die auf der ganzen Welt fälschlicherweise als Big Ben bekannt ist, renoviert. Und die Glocke, seit 1859 in Betrieb, wird für vier lange Jahre verstummen. Am eingerüsteten Turm wie auch in Teilen des Westminster-Palasts sind Bauarbeiter am Werk, um das vor sich hinbröckelnde Gebäude zu retten und die Fassade zu erhalten. Sie sollen, so die Begründung für die Pause, von dem lauten stündlichen Wummern nicht gestört werden.

Den heftigen Reaktionen aus Politik und Medien nach zu urteilen könnte man meinen, es handle sich um eine nationale Katastrophe. Das Wahrzeichen mit dem selbstverständlich gewordenen Geläut ist längst zum Symbol Großbritanniens geworden – sowohl für Touristen als auch die BBC-Radionachrichten, die zwei Mal täglich mit dem Schlagen von Big Ben begonnen werden. Nicht einmal die deutsche Luftwaffe habe es während des Krieges und des „Blitz“ geschafft, die Glocken zum Schweigen zu bringen, schimpften Politiker auf der Insel und empfahlen Kopfhörer für die Arbeiter.

Der Aufruhr in Westminster überrascht, immerhin haben drei Ausschüsse den Renovierungsarbeiten zugestimmt, die die Stilllegung von Big Ben mit sich bringen. Nur zu besonderen Anlässen soll die Glocke künftig erklingen. Der Abgeordnete Stephen Pound stand gestern Mittag in der Menge und wischte sich mit einem Taschentuch eine Träne aus dem Auge. Ob ihn wirklich die Trauer übermannte oder er lediglich ein kleines Schauspiel für die Medien aufführte? Natürlich meine er es ernst, sagte er auf Nachfrage beinahe beleidigt.

Tatsächlich zeigen sich die sogenannten Traditionalisten unter den Parlamentariern seit vergangener Woche untröstlich. Sogar Premierministerin Theresa May schaltete sich ein. Nein, im Fokus standen die alte Uhr mit ihrer imposanten Glocke.

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