Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
1 Kommentar

Sanierung des Buckingham-Palasts: Das teure Heim der Queen

Die Ankündigung, den Buckingham-Palast für umgerechnet 400 Millionen Euro zu sanieren, schlägt in Großbritannien große Wellen – gerade weil die Wirtschaft vor unsicheren Zeiten steht. Einige Briten fordern daher etwas, das im Königreich ungewöhnlich ist.
Vor dem Buckingham-Palast in London tummelten sich im Sommer die royalen Fans, die der Queen gratulieren wollten. Doch wenn es um die Renovierung des Palastes geht, ist die Begeisterung der Briten nicht mehr so groß. Foto: Caroline Bock (dpa) Vor dem Buckingham-Palast in London tummelten sich im Sommer die royalen Fans, die der Queen gratulieren wollten. Doch wenn es um die Renovierung des Palastes geht, ist die Begeisterung der Briten nicht mehr so groß.
London. 

Auf den ersten Blick strahlt der Buckingham-Palast Prunk aus. Jeden Tag zieht es tausende Touristen vor die Tore der offiziellen Residenz von Königin Elizabeth II. – voller Hoffnung, durch die Gitterstäbe hindurch den herrschaftlichen Glanz bewundern zu können. Doch bei genauerem Hinsehen sind die Risse in den Mauern der Monarchie tief. Der Buckingham-Palast bröckelt und soll nun in der umfassendsten Renovierung seit dem Zweiten Weltkrieg vor dem Verfall bewahrt werden.

Mehr als 160 Kilometer Elektrokabel müssen ersetzt werden, genauso wie 2500 Heizungen, 6500 Steckdosen, 330 Sicherungskästen und Wasserrohre in einer Länge von fast 50 Kilometern. Die Dimension der Sanierung des Palasts mit seinen 775 Räumen ist immens, und so sind die Kosten. Die belaufen sich auf 369 Millionen Pfund (mehr als 400 Millionen Euro).

Doch die Queen selbst muss dafür keineswegs ihr Privatvermögen angreifen. Die Baumaßnahmen sollen aus den jährlichen staatlichen Zuwendungen ans Königshaus bezahlt werden, die Regierung hat bereits zugestimmt. Dass letztlich der Steuerzahler für die Sanierung eines Palasts bezahlt, der ihm nur wenige Tage im Jahr zugänglich ist, sorgt nun für Ärger auf der Insel.

Riesiges Haushaltsloch

Die Ankündigung kommt zur Unzeit. Nachdem sich die Mehrheit der Briten für einen EU-Austritt entschieden haben, steht die Wirtschaft vor ungewissen Zeiten. Morgen stellt Finanzminister Philip Hammond den Haushaltszwischenbericht vor – es könnte ein Tag der Offenbarung werden. Der „Financial Times“ zufolge steuere das Königreich in den nächsten fünf Jahren aufgrund von einem schwächeren Wachstum, sinkenden Investitionen und deshalb zurückgehenden Steuereinnahmen auf ein Haushaltsloch von umgerechnet 116 Milliarden Euro zu.

Ausgerechnet jetzt sollen hunderte Millionen in den Palast investiert werden? Die Königin gerät unter Druck. So haben mehr als 120 000 Menschen bereits eine Petition unterzeichnet, mit der sie erreichen wollen, dass die Queen ihren Teil beisteuert. „Wir haben eine Wohnungskrise, das Gesundheitssystem steckt in der Krise, die Sparpolitik zwingt uns zu Einsparungen bei Dienstleistungen“, so Mark Johnson, Initiator der Petition. Dagegen sei das Vermögen der Krone „unschätzbar“. Doch sowohl auf Seiten der konservativen Regierung als auch vom Großteil der oppositionellen Labour-Partei hieß es, das Gebäude sei ein „nationales Denkmal“ und würde dementsprechend behandelt. Trotzdem fügten einige Politiker vorsichtig an, dass sie keineswegs ablehnen würden, sollte die Königin anbieten, einen Teil der Kosten zu übernehmen.

Die Sanierung soll durch eine Anhebung des königlichen Gehalts finanziert werden, das von der Regierung bewilligt wird. Das Geld wirft der „Crown Estate“ ab, also das Land, das historisch der königlichen Familie gehört, heute aber eine Körperschaft des öffentlichen Rechts darstellt. Die Monarchin besitzt dieses „Krongut“ nur in ihrer Eigenschaft als Staatsoberhaupt. Dazu gehören Farmen, Parks sowie ganze Londoner Viertel und sogar Teile des Meeresbodens vor der britischen Küste. Vom Gewinn erhält die Queen derzeit 15 Prozent.

Im vergangenen Jahr verdiente sie so 45,6 Millionen Pfund (mehr als 53 Millionen Euro). Damit soll sie ihre Ausgaben als Staatsoberhaupt finanzieren. Für den etwa zehnjährigen Renovierungs-Zeitraum soll das Gehalt auf 25 Prozent der Einnahmen aus dem „Crown Estate“ erhöht werden.

Zur Startseite Mehr aus Panorama

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse