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Brände: Der Horror nimmt kein Ende

Immer wieder neue Leichen werden im Osten Athens entdeckt. Die Flammen haben dort alles zerstört. Die Rettungsmannschaften erleben täglich Schlimmes und erzählen es.
Mitglieder eines Rettungsteams tragen eine verletzte Frau. Bei den verheerenden Feuern sind allein in Griechenland mindestens 74 Menschen gestorben, etliche Menschen werden noch vermisst. Foto: Thanassis Stavrakis (AP) Mitglieder eines Rettungsteams tragen eine verletzte Frau. Bei den verheerenden Feuern sind allein in Griechenland mindestens 74 Menschen gestorben, etliche Menschen werden noch vermisst.
Athen. 

Die Szene wiederholt sich immer wieder: Feuerwehrleute und Freiwillige Helfer gehen von Tür zu Tür und suchen in den zerstörten Häusern in der Urlaubsregion von Rafina, Mati und Neos Voutzas im Osten Athens nach Opfern. „Hallo! Hallo! Ist jemand da“, heißt es immer wieder. Es folgt Totenstille. Langsam gehen die Feuerwehrleute in die Häuser hinein. Sie haben Schlimmes gesehen und sind auf Schreckliches vorbereitet. Fernsehbilder zeigen diese schlimmen Szenen immer wieder.

Allein in den vergangenen zwölf Stunden wurden fünf verkohlte Leichen entdeckt. Bislang sind 80 Tote gezählt worden. Eines der Opfer starb am Mittwoch an schweren Verbrennungen in einem Krankenhaus in Athen.

Die bange Frage: Wie viele Tote gibt es noch in den mehr als 1000 zerstörten Häusern? Dutzende Menschen werden noch vermisst. Die Identifizierung der Opfer ist schwierig und könnte Wochen dauern. Die meisten sind nämlich verkohlt. DNA-Tests werden in vielen Fällen notwendig sein, sagen Gerichtsmediziner immer wieder im Fernsehen.

Verkohlte Leichen

Die Bürgermeister der Region befürchten, dass die Zahl der Opfer am Ende dieses Dramas dreistellig sein könnte. Verwandte haben eine inoffizielle Seite eingerichtet und Fotos von Vermissten veröffentlicht.

Dramatische Details des Dramas werden nach und nach bekannt. Ein etwa 13 Jahre altes Mädchen habe sich in einen Steilhang gestürzt – als es keinen Ausweg mehr gab. „Ihre Kleider brannten. Das Flammeninferno hinter ihr. Sie stürzte in die Tiefe und war auf der Stelle tot“, sagte eine Augenzeugin mit Tränen in den Augen im TV.

Ebenfalls schrecklich ist das, was ein Feuerwehrmann aus der Ortschaft Mati erzählt. Er habe in einem verbrannten Auto die völlig verkohlten Leichen des Fahrers und der Beifahrerin gesehen. „Was sind das für Rucksäcke hinter ihnen, habe ich mich gefragt“, sagte der Mann im Rundfunk. Dann stellte er schweißgebadet fest, die vermeintlichen Rucksäcke seien Kinder gewesen, die sich um den Hals ihrer Eltern offenbar in den letzten schrecklichen Minuten ihres Lebens geklammert hatten.

Für die Überlebenden muss es nun weitergehen. Es wird aber wohl sehr lange dauern, bis die Menschen sich von dem Erlebten erholt haben – und die Region. Die Strom-und Wasserversorgung, das Telefon und Internet sind weitgehend unterbrochen. Es könnte Wochen dauern, bis die Infrastruktur einigermaßen wieder intakt ist, schätzen Bürgermeister der Region. Tausende Häuser sind unbewohnbar und müssen abgerissen werden.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft von Athen eine Untersuchung eingeleitet. Die Ursachen der Katastrophe sollen ermittelt werden. Experten sind sich jedoch weitgehend einig. Egal aus welchem Grund der Brand ausbrach – die freiwilligen Helfer, die Feuerwehr und allen voran die Einwohner von Mati, Neos Voutzas und Rafina hatten keine Chance, die Katastrophe zu stoppen. Winde der Stärke 9 erzeugten binnen Minuten ein Flammenmeer.

Hilfe aus Deutschland

Unterdessen brennen Schwedens Wälder weiter. Noch immer wüten rund 25 Feuer im ganzen Land. Der Katastrophenschutz schätzte die Lage am Mittwoch als sehr ernst, aber stabil ein. Derzeit konzentrieren sich die Retter auf drei große Gebiete wenige hundert Kilometer nördlich von Stockholm: die Kreise Gävleborg, Jämtland und Dalarna. Hier sind die Feuer weiterhin so groß, dass man sie nicht löschen, sondern nur eine Ausbreitung verhindern kann. Wald-, Busch- und Torfmoorbrände haben auch im Westen Lettlands bereits mehr als 800 Hektar Land zerstört.

Deutschland hat den betroffenen Ländern seine Unterstützung zugesagt. „Wir stehen in diesen schweren Stunden fest an der Seite unserer europäischen Partner und Freunde“, versicherte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Mittwoch in Berlin.

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