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Das Geschäft mit dem Sneaker-Kult: Der Turnschuh-Reiniger

Hunderte Euro für einen Sportschuh, lange Warteschlangen vor Geschäften: Der Kult um Sneakers treibt merkwürdige Blüten. Die modischen Schuhe sind ein Stück Zeitgeist – und ein Milliardengeschäft.
Auge fürs Detail: Dominic Trieschmann bei der Arbeit. Foto: Swen Pförtner (dpa) Auge fürs Detail: Dominic Trieschmann bei der Arbeit.
Offenbach. 

Die prominentesten Turnschuhe Hessens stehen in Offenbach: Mit ihnen sorgte Joschka Fischer 1985 für einen Tabubruch, als er sich im Landtag als erster hessischer Umweltminister der Grünen vereidigen ließ. Für den Kasseler Dominic Trieschmann war es nicht der grüne Umweltminister, der den Turnschuh-Trend begründet hat, sondern eine Hip-Hop-Band aus den USA. Mit dem Song „My Adidas“ besangen Run DMC 1986 den Sneaker.

„Seitdem sind die Schuhe auf der Überholspur“, sagt der 25-Jährige. Trieschmann hat den Kult um die modischen Turnschuhe zu seinem Job gemacht. Als „Sneaker-Cleaner“ hat sich der gelernte Versicherungskaufmann auf die Reinigung der Sportschuhe spezialisiert.

Mit einem Online-Shop fing er an, im Juni öffnete dann sein Ladenlokal in Kassel. Mit der Dienstleistung besetzte er eine Nische, in der kaum Konkurrenz sei, sagt Trieschmann. Ab zehn Euro gibt es bei ihm eine Reinigung. Die lohnt sich vor allem bei teureren Modellen: 130 bis 150 Euro würden seine Kunden für den Kauf eines Sneakerpaars ausgeben, schätzt Trieschmann. Er hat auch schon Schuhe im Wert von 500 Euro gereinigt. Seine größte Einnahmequelle seien mittlerweile Veranstaltungen: Herstellerfirmen buchen den „Sneaker-Cleaner“ als Attraktion und Service für Messen und Präsentationen.

Sneakers sind ein Milliardengeschäft. Auf 9,7 Milliarden Euro schätzt das Institut für Handelsforschung in Köln das Volumen des deutschen Schuhmarkts. Doch kleinere, spezialisierte Händler gewinnen an Bedeutung: „Der passende Schuh ist heute der wichtigste Part bei einem Outfit“, sagt Mischa Krewer, einer der beiden Geschäftsführer von „43einhalb Sneaker Store“, einem weltweit tätigen Schuhhändler aus Fulda. Die Schuhe sind nicht nur Kleidungsstück, sondern taugen auch zum Sammlerobjekt. Beim Kaufpreis scheinen keine Grenzen gesetzt. „Eines der sehr raren selbstschnürenden „Nike Air Mag“-Modelle aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ ging bei eBay für mehr als 35 000 US-Dollar über die virtuelle Ladentheke“, berichtet Krewer. Von besonderen Modellen würden teilweise 100 oder nur wenige Paare produziert.

Begehrt sind begrenzte Auflagen. „Für ein stark limitiertes Sondermodell haben Camper bei uns am Laden mehr als drei Tage ausgeharrt. Einige kamen sogar extra aus Madrid nach Hessen, um die begehrten Sneaker zu kaufen“, erzählt Krewer. Dass der Sneaker eine „Metapher für modischen Zeitgeist“ ist, sagt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln. Dass sich Sneakers in teuren Luxusausführungen etablierten, sei nicht ungewöhnlich. Mit einem baldigen Ende des Sportschuh-Kults rechnet Müller-Thomkins nicht: „Der Sneaker hält sich lange, er ist kein temporäres Phänomen.“

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