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Der Wurst ein Gesicht geben

Der Betrieb "Meine kleine Farm" vertreibt Biofleisch von Schweinen. Soweit nicht sonderlich ungewöhnlich. Anders ist aber, dass Käufer ihre Wurst sozusagen persönlich kennenlernen. Denn Farmgründer Dennis Buchmann versieht seine Produkte mit einem Passfoto des Tieres. Ein Etikett einer Schlackwurst von Schwein Nummer 2 aus dem Hof "Meine kleine Farm" liegt zusammen mit einem Foto von dem schwarz-gefleckten Schwein mit breiter rosa Schnauze, das nun zu Wurst geworden, ist auf einem Tisch. Bilder > Ein Etikett einer Schlackwurst von Schwein Nummer 2 aus dem Hof "Meine kleine Farm" liegt zusammen mit einem Foto von dem schwarz-gefleckten Schwein mit breiter rosa Schnauze, das nun zu Wurst geworden, ist auf einem Tisch.

Berlin. 

Schwein 2 mit hellem Fell und schwarzen Flecken ist schon ausverkauft. Die Käufer konnten sich das Tier zuvor auf dem Hof bei Potsdam oder im Internet ansehen. Und sie nehmen sein Bild auch mit nach Hause, denn die Produkte sind mit einem Passfoto von dem Tier versehen.

Er wolle der Wurst ein Gesicht geben und für mehr Respekt vor den Tieren werben, sagt Student und Farmgründer Dennis Buchmann der Nachrichtenagentur dpa.

Das Projekt klingt gut, aber braucht man nicht die Massentierhaltung, damit die sieben Milliarden Erdenbürger satt werden?

Buchmann: "Ich kann natürlich nicht die Welt ernähren, aber es ist ein Anfang. Wenn man den Fleischkonsum in Deutschland reduzieren würde, könnte man den Fleischbedarf mit artgerechterer Haltung decken."

Was möchten sie damit erreichen, dass Sie die Schweine zeigen?

Buchmann: "So eine Wurst isst man so wie eine Mohrrübe, da denkt man nicht großartig drüber nach. Ich glaube aber, dass Fleisch ein bisschen mehr Wertschätzung verdient, als eine Rübe. Dafür ist ein Tier gestorben. Man kann es sehen, es steht auf dem Gras und hat ein bisschen Dreck an der Schnauze. Ich möchte nicht negativistisch herangehen und das Fleischessen als böse bezeichnen, sondern ein Produkt als Teil der Lösung anbieten."

Wie sind sie auf die Idee gekommen?

Buchmann: "Als Student der Humboldt-Viadrina School of Governance muss man ein Projekt mit einem politischen Anliegen entwickeln. Da habe ich mir überlegt, wie kann man eine neue Nähe herstellen zur Nahrung, und welche ist besonders wertvoll? Das ist ja Fleisch. Es benötigt sehr viele Ressourcen. Zudem gibt es damit ein zweites Problem, nämlich dass der Massentierhaltung - da muss jeder für sich entscheiden, ob er solches Fleisch isst. Und so hab ich die Frage runtergekocht bis zur Idee "Meine kleine Farm"."

Was wollen Sie tun, wenn Sie Ihr Studium im Sommer beendet haben?

Buchmann: "Ich würde "Meine kleine Farm" gerne weiterbetreiben. Dafür gibt es noch keine Berufsbezeichnung.

Ist die Farm denn wirtschaftlich?

Buchmann: "Natürlich verdiene ich an jedem Schwein etwas, aber ich habe noch keine Wirtschaftlichkeitsanalyse aufgestellt, vor allem den Zeitaufwand noch nicht beachtet. Momentan arbeite ich neben dem Studium beim betterplace lab, der Forschungsabteilung der Spendenplattform betterplace.org."

Wie viele Schweine haben Sie denn schon schlachten lassen?

Buchmann: "Morgen ist Schwein 3 an der Reihe. Aber ich habe nun schon sechs Schweine ins Internet gestellt und werde Bernd morgen um mindestens zwei weitere bitten."

Wie transportiert Bauer Bernd Schulz die Schweine denn zum 28 Kilometer entfernten Metzger?

Buchmann: "Er lockt sie mit frischem Stroh in den Pferdewagen. Ja, Schweine mögen gerne neues Stroh. Er legt einen Pfad, und die gehen von alleine in den Hänger."

(dpa)
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