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Statement gegen Ausgrenzung: Der kleine Prinz singt Dance-Pop

Von Ein Jahr lang tourte Musicaldarsteller Moritz Bierbaum als der kleiner Prinz durchs Land. Nun wagt er einen neuen Schritt und veröffentlicht mit dem Song „What´s Up“ eine Single. Dabei geht es ihm um weit mehr, als bloß fröhliche Tanzstimmung zu verbreiten. Er möchte ein Statement setzen, gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen. Wir haben mit dem Karbener über Musical-Musik, Dragqueens und Songschreiber gesprochen.
Bilder > Foto: Dominik Rinkart
Frankfurt.  Moritz Bierbaum war ein ruhiger Schüler. Einer dieser introvertierten und schüchternen Charaktere, die im Trubel einer pubertierenden Schulklasse gerne mal am Rand stehen bleiben. Einen Platz im Mittelpunkt überließ er immer den Anderen. Dass er inzwischen täglich vor Tausenden Zuschauern auf der Bühne steht, singt, tanzt und begeistert, überrascht seine ehemaligen Mitschülern jedoch keineswegs.

Damals wie heute umgibt Moritz Bierbaum eine besondere Aura. Der schlanke junge Mann ist leicht zu übersehen und sticht doch ins Auge. Die Gesellschaft der wilden und verständnislosen Menschen ist nicht Seins, er lebt für die Kunst. Eigenschaften, die ihm seinen Karrieredurchbruch in seiner Paraderolle einbrachten. Als kleiner Prinz im gleichnamigen Musical nach Antoine de Saint-Exupéry, tourte er das gesamte vergangene Jahr quer durch die Bundesrepublik, Österreich und die Schweiz.

Überraschender Sound

Nun legt das Musical ein schöpferische Pause ein. Zeit, die der 24-Jährige Karbener keineswegs mit Müßiggang verschwendet. Er nutzt die freien Monate, um sich seinem ersten eigenen Album zu widmen. Dafür hat er viel geübt und an seiner Stimme gefeilt. An seiner Seite konnte er dabei immer auf seine Gesanglehrerin Heidi Muendel zählen. In ihrem „Life-Sound-Studio“ reifte Bierbaums Stimme über sechs Jahre heran. Der Sound des Albums überrascht: „Es soll Dance Pop werden“, erzählt er. Doch bis das Album fertig ist, wird es noch einige Zeit dauern. Zeit, die er ebenfalls künstlerisch nutzen möchte und schon mal vorab eine Single auf den Markt wirft.  


„What´s Up“ heißt der Party-Song, mit dem Bierbaum nicht nur zum Tanzen sondern auch zum Nachdenken anregen will. Dafür hat er im Musikvideo Aspekte seines Privatlebens in Szene gesetzt. Moritz Bierbaum ist homosexuell und geht offen damit um: „Ich habe viel Negatives erlebt“, berichtet er. Seine Musik soll nun die Antwort darauf sein. Im FNP-Interview erklärt er, wie es sich anfühlt als junger, homosexueller Musiker seinen Weg im Musik-Business zu finden.    

Der kleine Prinz singt jetzt also Dance-Pop? Heißt das, Sie haben mit der Musical-Musik abgeschlossen?
Bierbaum: Nein, gar nicht, ich habe weiterhin große Freude am Musical. Aber ein Musical findet für mich immer live auf einer Bühne statt und nicht auf der Platte. Beim Musical verkörpere ich eine Rolle, aber jetzt mit der Single bin ich ganz ich selbst.

Ganz Sie selbst zu sein, hat Sie in Ihrem Leben auch schon in prekäre Situationen gebracht. In Ihrem Musikvideo gehen Sie nun in die Offensive und setzen ein Statement gegen Ausgrenzung. Glauben Sie Kunst kann sowas bewirken?
Bierbaum: Ja, gerade wenn junge Menschen Musikvideos sehen, in denen Homosexualität normal dargestellt wird, dann wird das auch in der Gesellschaft zunehmend besser integriert.

Moritz Bierbaum
Andererseits ist es ja häufig so, dass Homosexualität bei Künstlern akzeptiert wird, aber bei Nicht-Künstlern eben nicht?
Bierbaum: Ja, das ist so ein Ding. Ich wünschte mir, dass es nicht nur bei Künstlern akzeptiert wird, sondern auch bei Nicht-Künstlern. Anderseits glaube ich, je mehr homosexuelle Künstler akzeptiert werden, desto normaler wird es auch irgendwann in der restlichen Gesellschaft.

Sicher?
Bierbaum: Natürlich gibt es auch immer Menschen, die das nicht sehen wollen und können und damit gar nicht klar kommen, aber ich denke, ein Großteil akzeptiert das.

Allerdings gibt es ja auch viele homosexuelle Künstler, die sich besonders auffällig und unnatürlich inszenieren. Ist dass nicht ein Schlag ins Genick für den Wunsch, dass Homosexualität irgendwann als normal anerkannt werden soll?
Bierbaum: Das sehe ich nicht so. Homosexualität wird aus meiner Sicht sogar eher dann akzeptiert, wenn die Inszenierung extrem ist. Dragqueens werden deutlich eher akzeptiert als Männer mit weiblichen Zügen.

Woran könnte das liegen?
Bierbaum: Ich denke, dass liegt auch daran, dass eine Dragqueen eine Figur ist. Sie ist extrem geschminkt und wird daher als Kunstobjekt gesehen.

Und somit kommen die skeptischen Betrachter gar nicht erst in eine Auseinandersetzung, ob sie das normal finden wollen oder ausgrenzen?
Bierbaum: Ja, das könnte ich mir vorstellen.

Moritz Bierbaum
Sie hatten Ihr Coming-Out bereits im Alter von 15 Jahren. Haben Sie denn das Gefühl, dass er leichter ist zu sagen, dass Sie schwul sind, wenn Sie dazu sagen, dass Sie Künstler sind?
Bierbaum: Gerade diese Sprüche, die man als Jugendlicher zu hören bekommt, waren sehr verletzend. Ich habe mit den Jahren gelernt dazu zu stehen. Ich glaube, die Leute denken, dass sowieso alle männlichen Künstler schwul sind. Wenn ich in eine neue Runde komme und sage, ich bin Künstler, dann bestätige ich ohnehin deren Vorurteil. Aber ob man es den Leuten deswegen einfacher macht, das zu verstehen, kann ich nicht sagen.

Warum ist das Outing für Künstler einfacher als beispielweise für Fußballer?
Bierbaum: Fußballer müssen dieses Bild erfüllen: männlich, sportlich, eine gutaussehende Frau an der Seite. Für Künstler gibt es das Klischee schon, dass männliche Künstler homosexuell sind. Dadurch ist es für sie einfacher sich zu outen. Und das ist ja tatsächlich so: Viele Künstler sind homosexuell. Unter Künstlern hat man daher auch sicherlich einen sehr viel größeren Halt, wenn es um das Thema geht, als womöglich in einer Fußballmannschaft.
 
Wie schwer ist es für einen jungen Musiker in der Branche Fuß zu fassen?
Bierbaum: Es ist nicht einfach, man muss sich durchkämpfen und braucht Connections. Außerdem muss man herausfinden, mit wem man arbeiten möchte. Ich habe Glück, denn ich habe inzwischen meinen Songwriter gefunden und schon zahlreiche Kontakte zu Produzenten aufgebaut.

Sie arbeiten mit Songwriter Charlie Mason zusammen, der unter anderem schon für Miley Cyrus und Conchita Wurst schrieb. Auch Mixing, Mastering und Vertrieb lassen Sie extern machen. Das klingt nach Abhängigkeiten, die viele Künstler ohne Plattenvertrag scheuen. Wie wichtig ist es Ihnen unabhängig zu arbeiten?
Bierbaum: Sehr wichtig, aber ich genieße diese Freiheiten ja auch. Ich kann selbst entscheiden, mit wem ich arbeite und in welchem Tempo. Ich habe immer alles im Blick. Natürlich träume ich von einem Plattenvertrag, aber im Moment freu ich mich, dass ich alles selbst entscheiden kann.

Moritz Bierbaum
Wie sah Ihre Vorstellung von dem Song aus, als Sie Charlie Mason mit dem Songschreiben beauftragt haben?
Bierbaum: Ich wollte keine Ballade, sondern etwas Schnelles, bei dem ich auch die Höhe meiner Stimme zeigen kann. Ich bin sehr zufrieden. Der Song animiert zum Tanzen. Das ist ein Gute-Laune-Song, es geht darum rauszugehen, seine Freunde zu treffen, zu feiern und die Stimmung zu genießen.

Das ist ja so ziemlich das Gegenteil vom Temperament des kleinen Prinzen. Besteht die Gefahr, dass Sie auf die Rolle des kleinen Prinzen festgelegt werden?
Bierbaum: Ich denke schon, dass da ein Risiko besteht, weil mich die Leute in der Rolle des kleinen Prinzen kennen. Aber das stört mich nicht. Und ich bin dem Musical auch sehr dankbar. Ich habe viel dazugelernt, durch die Bühnenerfahrung und mich jetzt getraut diesen Schritt zu machen. Ich bin erwachsener geworden und reifer und sehe mich jetzt vor einer neuen Herausforderung, an der ich wachsen kann.

Was sind Ihre nächsten Ziele?
Bierbaum: Ich bin immer offen für neue Projekte, will immer weiter wachsen und einfach in dem Bereich tätig sein, damit ich meinen Lebensunterhalt damit verdienen kann. Jetzt hoffe ich, dass die Leute den Song kaufen, er vielleicht im Radio gespielt wird und den Leuten gefällt. Und es wäre natürlich super, wenn ich mal in einen Club komme und da läuft mein Lied.

Die Single What´s Up von Moritz Bierbaum erscheint am 12.5. und ist nur online verfügbar.

 
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