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Eurovision: Die Suche nach dem magischen Moment

Von Wer singt für Deutschland? Diese Frage stellt sich heute Abend wieder, wenn der deutsche Kandidat für den Eurovision Song Contest am 12. Mai in Lissabon gewählt wird. Diesmal war beim Vorentscheid vieles anders als sonst. Und ein „Fräuleinwunder“ scheint im Jahr acht nach Lenas Sieg unwahrscheinlich.
Die fünf Sänger von voXXclub wollen mit moderner bayerischer Volksmusik den Vorentscheid gewinnen. Foto: Felix Hörhager (dpa) Die fünf Sänger von voXXclub wollen mit moderner bayerischer Volksmusik den Vorentscheid gewinnen.
Frankfurt. 

Es soll dieser Moment sein, bei dem der Zuhörer Gänsehaut bekommt. Der Moment, in dem das Publikum wieder Hoffnung schöpft, dass der Funke eines deutschen Künstlers auf Europa überspringen könnte. Wie damals bei Lena und danach nie wieder. Doch noch weiß niemand, ob das heute Abend beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) in Berlin der Fall sein wird.

Auf diesen „magischen Moment, der alle überzeugt“, wartet auch Benjamin Hertlein. Der Frankfurter ist Mitglied im OGAE, einem der beiden Eurovision-Fanclubs, schreibt für den Blog prinz-esc.de und ist für den Vorentscheid nach Berlin gereist. Seine ersten Eindrücke sind positiv. „Ich glaube, dass die Beiträge eine Chance auf eine gute Platzierung in Lissabon hätten, das wäre ja für uns schon etwas – unter den ersten 15 Plätzen.“

Michael Schulte singt das ruhige Lied „You Let Me Walk Alone“. Bild-Zoom Foto: Jörg Carstensen (dpa)
Michael Schulte singt das ruhige Lied „You Let Me Walk Alone“.

Das würde in der Tat schon fast eine kopernikanische Wende für Eurovisionsdeutschland bedeuten. Galt doch 2017 der vorletzte Platz von Levina bereits als Verbesserung. Davor war Deutschland zwei Mal Letzter, und die Experten konnten nur analysieren, welche null Punkte schlechter waren – die von Ann Sophie oder Jamie Lee.

Doch jetzt soll alles anders werden, schließlich hat der für die Ausrichtung des Gesangswettbewerbs zuständige Sender NDR den Vorentscheid umgekrempelt. Mit Ausnahme von ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber ist nichts mehr so, wie es einmal war. Zunächst wurde ein „Europa-Panel“ mit 100 Personen ausgewählt, diese Jury wiederum siebte unter 4000 Künstlern sechs aus – zwei Frauen, drei männliche Einzelkünstler und eine Gruppe. Für drei von ihnen schrieb ein „Song Writing Camp“ die Lieder, mit denen sie beim Vorentscheid antreten.

„Nur guter Mainstream“

Irving Wolther, aus Eppstein stammender Eurovisionsexperte, ist der Meinung, dass sich diese Mühe gelohnt hat: „Die Beiträge sind durchweg besser als im Vorjahr.“ Ein wenig vermisst er „den Mut zum Außergewöhnlichen. Aber wenn man ein repräsentatives Europa-Panel bildet, kommt da eben nur guter Mainstream raus“. Auch das Risiko eines neuen „Kümmertgate“ sei nach vielen Vorauswahlrunden deutlich geringer, so Wolther. 2015 hatte Andreas Kümmert nach seinem Sieg im Vorentscheid überraschend das Handtuch geworfen, weil er den Rummel nicht verkraftete.

Eher kritisch sieht allerdings Michael von Seydewitz, Mitglied in den beiden Fanclubs OGAE und Eurovision Club Germany, die diesjährigen Beiträge. „Ich war sehr begeistert von den Künstlern, finde aber die Songs überhaupt nicht gut. Tolle Sängerinnen wie Natia Todua und Ivy Quainoo werden hier verheizt.“

Doch möglicherweise ist der weitere Versuch eines „Fräuleinwunders“ nach Lena ohnehin unrealistisch, da Einzelsängerinnen zuletzt stets scheiterten. „Ich würde die Prognose abgeben, dass wir keine Frau in Lissabon sehen, die für Deutschland singt“, meint Hertlein. Und auch Irving Wolther, der über den Song Contest promoviert hat, sieht Michael Schulte aus Buxtehude und die Band voXXclub als Favoriten.

Das Umfeld ist wichtig

Beide sprächen, so Wolther, „auf ihre Weise viele Zuschauer an. Michael Schulte singt eine berührende Ballade über den Tod seines Vaters. Und die bayerische Volksmusik-Gruppe voXXclub verkörpert eines der wenigen deutschen Klischees, die im Ausland positiv besetzt sind.“ Auch Bernd Ochs, Frankfurter Koordinator des Eurovision Clubs Germany, meint: „Die Fangemeinde von voXXclub ist nicht zu unterschätzen.“

Ob der deutsche Sieger nun aber auch beim Finale in Lissabon erfolgreich ist, steht in den Sternen der portugiesischen Nacht vom 12. Mai. „Es ist schwer zu sagen, wer dort Chancen hat“, so Wolther. „Wir kennen noch nicht alle Beiträge der anderen Länder und auch nicht das Umfeld.“

Das könnte bedeuten: Wenn viele der 43 Länder auf Partystimmung setzen, fällt ein ruhiges Lied wie von Schulte vielleicht eher auf. Wenn nur Balladen zu hören sind, ist voXXclub vielleicht die Band, die die Stimmung hebt. Der magische Moment ist eben nicht denkbar ohne den Moment davor und ohne den Moment danach. Das Magische daran ist nur, dass er hinterher beide vergessen lässt.

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