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Interview mit Medienexperten: Dschungelcamp: Wirbel um Wendler-Auszug

Alles ein abgekartetes Spiel? Das fragten sich viele Zuschauer nach dem Ausstieg von Schlagersänger Michael Wendler aus „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“. Dennoch hat die RTL-Show weiterhin über sieben Millionen Zuschauer. Redakteurin Pia Rolfs fragte den Motivations- und Kommunikationsexperten Matthias Herzog, Autor des Buches „Spitze sein, wenn’s drauf ankommt“, für wie authentisch er das Verhalten der Kandiaten hält.
Nach seinem Auszug aus dem Dschungelcamp ließ sich Michael Wendler beim Sekttrinken filmen – keine gute Imagepflege.	Foto: (c) RTL Nach seinem Auszug aus dem Dschungelcamp ließ sich Michael Wendler beim Sekttrinken filmen – keine gute Imagepflege. Foto: (c) RTL

Der vorzeitige Auszug von Michael Wendler hat für Wirbel gesorgt. Was war Ihrer Meinung nach abgesprochen und was spontan?

HERZOG: Natürlich freut sich RTL über jeden Promi, der durch sein Verhalten die Einschaltquoten puscht. Aber bei Wendler war es eher eine Kurzschlussreaktion. Wir teilen die Persönlichkeiten in vier Typen ein, die sich kulturübergreifend finden: rot (Aggressive, Einzelgänger), gelb (Spaßvogel, Kreative), grün (Unterstützer, Fürsorgliche), blau (Analytiker, Perfektionist). Wendler ist rot, ein Egoist und Machertyp. Er möchte die totale Aufmerksamkeit. Und die hat er nicht bekommen, weil Larissa ihm den Rang abgelaufen hat. Deswegen hat er versucht, durch seinen Ausstieg wieder ins Gespräch zu kommen. Er hat aber nicht bedacht, dass er nicht nach Hause fahren kann. Das ist dann dumm gelaufen und war eine typische spontane Rot-Reaktion – ähnlich wie der Anruf des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff beim „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann.

Sie würden also Wendler mit Wulff vergleichen?

HERZOG: Von den Grundzügen der Persönlichkeit schon, beide sind erfolgsorientiert, egoistisch und eher Einzelgänger. Aber Wulff ist natürlich weitaus intelligenter.

Wie sehr hat Wendlers Verhalten seinem Image geschadet?

HERZOG: Ganz extrem. Er hat versucht, sich als nett, lieb und seriös darzustellen. Aber Glatzeder hat ihn gleich durchschaut und die anderen später auch. Normalerweise ist es ja so, dass ein Mensch im Dschungelcamp unter Stress seine Maske fallen lässt. Aber Wendler hat da sogar noch mehr gespielt. Das ist nach hinten losgegangen.

Wenn Sie sein Kommunikationsberater wären, was würden Sie ihm empfehlen?

HERZOG: Eingestehen, dass er dort eine Rolle gespielt hat, und sich entschuldigen.

Larissa Marolt ist sehr schnell zu einem Anti-Star geworden. Wie authentisch ist denn ihr Verhalten?

HERZOG: Es ist eine sehr interessante Mischung aus Naivität und Berechnung. Sie ist einerseits eine gelbe Persönlichkeit – ein Kumpeltyp, der locker drauf ist und auch gern mit anderen kuschelt. Unter Stress wird sie leicht zickig und hibbelig. Das ist der authentische Teil. Andererseits hat sie eine Schauspielerausbildung und einen roten Persönlichkeitsanteil. Das heißt, sie ist sehr berechnend und will sich gezielt ins Gespräch bringen. Wenn sie also bei der Prüfung sagt, sie kann ein Ekel-Getränk nicht trinken, ist das primär Show.

Wie beurteilen Sie das Verhalten von Winfried Glatzeder?

HERZOG: Ich bin von ihm sehr überrascht. Ich hätte ihn ruhiger eingeschätzt, eher als blauen, analytischen, kühlen Typ, der Körperkontakt meidet. Er sagt auch sofort, was er denkt. Aber man sieht auch den roten Persönlichkeitsanteil, denn er wird in Stresssituationen aggressiv und cholerisch. Einerseits kommt er ehrlich rüber, aber andererseits finden ihn viele wohl auch unsympathisch durch seine direkte Art, die schnell arrogant rüberkommt. Ich glaube, dass er weit kommen kann, weil er gut unterhält, aber am Ende nicht um den Titel kämpfen wird.

Wer hat denn Ihrer Meinung nach die größten Chancen, bis zum Ende durchzuhalten und Dschungelkönig zu werden?

HERZOG: Ich tippe auf Jochen Bendel. Er gibt lockere Sprüche von sich, ist ein richtiger Kumpeltyp, versteht sich mit jedem, setzt sich auch für die Schwachen ein und füllt die Rolle der Camp-Mutti aus. Von der Persönlichkeit her ist er gelb-grün, stellt sich selbst nicht zu sehr in den Vordergrund. Deswegen hat er die besten Chancen.

 

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