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Royale Hochzeit: Ein modernes Paar

Ein Bischof predigt feurig, das Volk darf ins Schloss, die Gästeschar ist bunt gemischt. Die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan zeigt: Sie wollen manches anders machen. Der Palast macht vorerst mit – denn das Königshaus hat etwas davon.
Royale Fans haben die Zeit gestoppt: Es waren zwei Sekunden. Prinz Harry und Meghan Markle küssen sich nach der Hochzeitszeremonie vor der Kapelle des Schlosses Windsor. Bilder > Foto: DANNY LAWSON (POOL) Royale Fans haben die Zeit gestoppt: Es waren zwei Sekunden. Prinz Harry und Meghan Markle küssen sich nach der Hochzeitszeremonie vor der Kapelle des Schlosses Windsor.
Windsor. 

Winkend fahren Prinz Harry und Meghan in einem blauen Cabrio durch die Abendsonne. Schick und klassisch ist der Jaguar – und doch anders. Denn das ursprünglich aus dem Jahr 1968 stammende Modell ist inzwischen mit einem Elektromotor ausgestattet. Ein Balanceakt zwischen Moderne und Tradition – das ist so etwas wie das Leitmotiv dieses Paares.

Das Wetter spielt perfekt mit. Alles andere hat der Palast bis auf die Minute genau durchgeplant. Und exakt nach Plan läuft die Feier auch ab. Selbstverständlich ist das nicht: Vorab gab es Ärger um die Verwandtschaft der US-Amerikanerin Meghan, die teils so gar nichts vom strikten Verhaltenskodex der Royals hält.

600 Gäste der Trauzeremonie bieten Gesprächsstoff. „So bunt“, schwärmen viele. Von Meghans Familie ist nur Mutter Doria Ragland da, aber Freunde und Kollegen hat die Ex-Schauspielerin reichlich eingeladen. Natürlich sind auch viele mehr und weniger bekannte Royals da sowie die britischen Top-Promis aus Film, Musik und Sport. Idris Elba winkt den Schaulustigen zu, David und Victoria Beckham werden bejubelt, Schmusesänger James Blunt blinzelt in die Sonne, US-Moderatorin Oprah Winfrey kommt in einem rosa Kleid mit mächtigem Hut.

Elton John tritt auf

Pippa, die Schwester von Harrys Schwägerin Kate, trägt dezentes Mintgrün – sieben Jahre ist es her, dass ihr enges, weißes Kleid bei Kate und Williams Hochzeit ihr den Beinamen „Her Royal Hotness“ einbrachte. Auch Superstar Elton John ist gekommen. Er war mit Harrys Mutter Diana befreundet, bei ihrer Beerdigung 1997 rührte er mit „Candle in the Wind“ die Welt zu Tränen. Beim Empfang nach der Trauung tritt er auf – ein persönlicher Wunsch Harrys, wie britische Medien wissen wollen.

Es sind viele kleine, moderne Akzente, die Harry und Meghan setzen. 1200 ganz normale Menschen, die sich mit sozialem Engagement hervortun, dürfen auf Wunsch der beiden in den Schlosshof. Statt des traditionellen schweren Frucht-Hochzeitskuchens, den es bei Prinz William und Kate gab, gibt es eine leichtere Bio-Zitronentorte mit Holunderblüten. Meghan verspricht im Ehegelübde keinen Gehorsam.

Reines Weiß

Die Braut trägt reines Weiß – weil es frisch und modern sei, teilt der Palast mit. Für manchen kam das überraschend, schließlich ist es für Meghan die zweite Ehe. Nach der Absage ihres Vaters bringt der Schwiegervater und Thronfolger Prinz Charles die Braut zum Altar. Dort empfängt Harry sie mit den Worten: „Du siehst großartig aus.“

Die offensichtliche Verliebtheit der beiden rührt viele Briten. Und das Königshaus kann vorerst zufrieden sein: Harry und Meghan, das junge Paar mit dem eigenen Kopf, das passt gut. Der Prinz pflückt selbst Blumen für den Brautstrauß – und die Pressestelle sorgt dafür, dass die Welt es auch erfährt.

William, Kate und ihre drei Kinder sind sympathisch, wirken aber auch ein bisschen spießig. Harry galt einst als partyliebendes Sorgenkind, bis er in der Armee einen Platz fand. Nun lassen er und seine Frau, eine geschiedene Schauspielerin aus den USA mit afroamerikanischen Wurzeln, sich als das moderne Gesicht der Royals vermarkten. Die beiden haben mehr Freiheiten, denn Harry wird als sechster der Thronfolge aller Voraussicht nach kein König werden.

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