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Designerin Chantal Thomass wird 70 Jahre alt: Erfolg mit einem Hauch von Nichts

Sie wollte der Frau mit luxuriöser Lingerie Freiheit und Selbstbewusstsein schenken. Manchen Feministinnen gingen die Entwürfe von Chantal Thomass dabei allerdings zu weit. Und es gibt auch etwas, das die Designerin lieber verhüllt.
Designerin Chantal Thomass trägt gern Hosenanzüge, ihre Models – hier auf einer Modenschau im Februar – sind deutlich leichter bekleidet. Foto: ww Designerin Chantal Thomass trägt gern Hosenanzüge, ihre Models – hier auf einer Modenschau im Februar – sind deutlich leichter bekleidet.
Paris. 

Kokett sind die Entwürfe, aufreizend, aus feiner Spitze gefertigt. Manchmal in mädchenhaftem Rosa oder unschuldigem Weiß, noch öfter aber in verführerischem Schwarz oder fast durchsichtig, so dass sie mehr zeigen als verdecken. Die Frau, wie Chantal Thomass sie sieht, ist eine Femme fatale. Selbstbewusst, frei und ziemlich ungeniert.

Selbst kleidet sich die Französin stets klassisch-elegant in Schwarz und Weiß, trägt maskuline Hosenanzüge, knallroten Lippenstift, Pagenschnitt. Tief reicht der schwarze Pony in ihre Stirn. Mit diesem unverwechselbaren Look machte sie aus sich eine Marke, so wie viele andere Designer auch, allen voran Karl Lagerfeld. „Wie haben beide unsere Uniform gefunden“, bestätigt sie. Auch Thomass stellt Mode her, wie sie betont – denn BHs, Strapse und Höschen, selbst ein hauchdünner String-Tanga, seien genau das und nichts anderes.

Sie selbst trug keinen BH

Morgen wird die Gründerin ihres gleichnamigen Lingerie-Imperiums 70 Jahre alt. Sie ist eine Ikone in der Welt der Spitzenwäsche, seit sie 1976 als Erste bei einer Prêt-à-Porter-Schau Frauen in Dessous defilieren ließ. Schon damals waren sie luxuriös, raffiniert, inspiriert vom Kabarett mit viel Firlefanz und Transparenz – und damit ein Kontrast zur funktionellen Unterwäsche, die in dieser Periode nach 1968 überwog. Das schlug ein. Brigitte Bardot wurde eine ihrer berühmtesten Kundinnen.

Sie selbst trug bis zum Alter von 25 Jahren nicht einmal einen BH, erzählt Chantal Thomass heute freimütig. Interessiert an Mode war sie aber stets, die als Tochter eines Ingenieurs und einer Schneiderin in einem Vorort von Paris geboren wurde. Mit 20 begann sie, bei der Dessous-Marke Dorothée Bis zu arbeiten, gründete bald darauf gemeinsam mit ihrem ersten Mann, Bruce Thomass, ihr eigenes Label „Ter et Bantine“.

1975 schuf sie ihr Unternehmen, tobte sich aus mit der Kreation von Strapsen, Miedern und Spitzenstrumpfhosen, unter Verwendung auch ungewöhnlicher Materialien wie Wachstuch oder Lurex. Schöne Lingerie zu tragen, sagt Chantal Thomass, sei „eine Art, zu seiner Weiblichkeit zu stehen“.

Spiel mit erotischen Codes

Die Designerin spiele auf Sex und Sinnlichkeit an, überschreite aber nie eine bestimmte Grenze, erklärt die Modehistorikerin Catherine Örmen: „Sie amüsiert sich mit erotischen Codes, doch streift sie nur. Sie respektiert die Frau.“

Feministinnen sehen und sahen das nicht immer so. Als im Jahr 1999 nur in Dessous bekleidete Damen in den Vitrinen der Galeries Lafayette in Paris herumspazierten, protestierten Aktivistinnen lautstark – und verhalfen Chantal Thomass letztlich ungewollt zu noch mehr Werbung. Die Frau, kontert diese, sei für sie nicht Objekt, sondern Subjekt: Sie unterwerfe sich nicht, nur weil sie unter ihren Kleidern einen Hauch von nichts trage. Heute hat sie wieder einen Anteil an ihrer eigenen Marke, nachdem diese 1995 Insolvenz anmelden musste und von japanischen Investoren gekauft wurde – die die Gründerin daraufhin entließen, ohne Recht auf weitere Verwendung ihres eigenen Namens.

Nach einem dreijährigen Justiz-Kampf kaufte Chantal Thomass ihr Unternehmen gemeinsam mit dem Konzern Sara Lee (dem damals die Unterwäschemarke Dim gehörte) zurück. In mehr als 30 Ländern gibt es inzwischen Boutiquen.

Längst begnügt sich die Designerin nicht mehr nur mit Lingerie. Sie hat ein Parfum kreiert, beteiligte sich an Kollektionen für Schminke oder Möbel, bietet ihre Arbeit teilweise für wohltätige Zwecke an. Inzwischen ist die zweifache Mutter, die wenig über ihr Privatleben preisgibt, ein zweites Mal verheiratet. In dieser Hinsicht verhüllt sie sich lieber.

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