Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Erpressung: Festgenommener Täter ist nach Einschätzung der Polizei ausgesprochen gefährlich

Aufatmen bei Polizei und Verbrauchern: Der mutmaßliche Supermarkt-Erpresser hat gestanden. Totale Entwarnung gibt es jedoch noch nicht.
Polizeivizepräsident Uwe Stürmer vom Polizeipräsidium Konstanz hält eine Plastikflasche in der Hand, um die Giftmenge zu zeigen. Foto: Felix Kästle (dpa) Polizeivizepräsident Uwe Stürmer vom Polizeipräsidium Konstanz hält eine Plastikflasche in der Hand, um die Giftmenge zu zeigen.
Konstanz. 

„Der Erpresser ist gefasst?“, fragt eine Frau vor einem Konstanzer Supermarkt. „Gott sei Dank. Das hat mich wirklich verunsichert.“ Kurz zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, dass sie im Fall der Gläschen mit vergifteter Babynahrung einen 53 Jahre alten Tatverdächtigen festgenommen hat. Gegen den Mann, der die Taten gestanden hat, erging Haftbefehl.

Der Erpresser hatte die Beamten tagelang in Atem gehalten: In einer Droh-E-Mail forderte er eine Millionensumme von Lebensmittelkonzernen und Drogeriemärkten – andernfalls wollte er deutschlandweit Produkte vergiften. Schon Mitte September hatte er fünf Gläschen Babynahrung mit Ethylenglycol vergiftet und in einen Supermarkt in Friedrichshafen am Bodensee gebracht. „Sehr skrupellos“ nannten die Ermittler den Täter.

Sie waren sich schnell sicher, den Richtigen gefasst zu haben: An den Gläschen in dem Friedrichshafener Supermarkt wurden DNA-Spuren gefunden, die der DNA des festgenommenen Verdächtigen ähneln.

Gefäß mit Gift gefüllt

Außerdem seien in seiner Wohnung in Ofterdingen verdächtige Gegenstände gefunden worden, sagt Polizeivizepräsident Uwe Stürmer am Samstag auf einer Pressekonferenz in Konstanz und hält eine halbvolle Plastikflasche in die Höhe. So sei etwa ein rund 500 Milliliter fassendes Gefäß entdeckt worden, das zur Hälfte mit Ethylenglycol gefüllt war.

In den fünf Babykost-Gläschen aus dem Friedrichshafener Supermarkt seien jeweils rund 40 bis 50 Milliliter Ethylenglycol gefunden worden, sagt Stürmer. „Das passt. Wir sind daher zuversichtlich, dass es uns gelungen ist, das Ethylenglycol gänzlich in unseren Besitz zu bekommen.“ Ganz sicher sei das nicht – da nicht klar sei, ob der Mann eventuell noch mehr Gefäße hatte. Die Warnung der Polizei bleibt daher bestehen: Kunden sollen beim Einkauf auf beschädigte Verpackungen achten.

Der Täter habe maximale Verunsicherung erreicht, sagt Stürmer. „Ein normaler Erpresser droht ein Unbill an, um zur Zahlung zu verpflichten. Der jetzige Täter hat nicht nur gedroht, sondern auch gehandelt – und das macht ihn so ausgesprochen gefährlich.“

Anfangs sehr planvoll

Anhand der Aufnahmen einer Überwachungskamera in dem Friedrichshafener Supermarkt konnten die Beamten relativ genau bestimmen, wann der Mann das Gift ausgebracht hatte und wann die Droh-E-Mail kam. Dazwischen liege eine Zeitspanne, sagt Stürmer. „Aus unserer Sicht hatte der Täter das überhaupt nicht im Griff, ob so ein Glas abverkauft worden wäre oder nicht. Insofern war das schon ein sehr gefährlicher Fall.“

Der Mann sei gewissermaßen eine gescheiterte Existenz, sagt Stürmer. Er lebe derzeit von Sozialhilfe, habe kein erkennbares soziales Umfeld oder sonst eine Beziehung. „Es ist eine Person, die in ihrer Biografie durchaus Brüche hat und die in der Vergangenheit bereits psychische Auffälligkeiten gezeigt hat. Ich würde ihn mal als Einzelgänger und als exzentrisch bezeichnen.“

Der Erpresser habe anfangs sehr durchdacht gehandelt, sagt Stürmer weiter. Das habe sich geändert: Mit der Veröffentlichung des Fahndungsbildes sei ein enormer Druck entstanden. Vermutlich habe der Mann gedacht: Ich muss schnell alles loswerden, was mich identifiziert. So habe er Turnschuhe und einen Laptop in einem Altkleidercontainer entsorgt, der in der Nähe seiner Wohnung liege. Ein Zeuge habe das beobachtet, sagt Stürmer.

Bei der Festnahme sei der Mann ruhig geblieben: „Er hat nicht wie andere danach gefragt, was der Grund für die Festnahme ist.“ Hatte er gar versucht, zu entkommen? „Nein“, sagt Stürmer. „Da hätte er auch keine Chance gehabt.“

Zur Startseite Mehr aus Panorama

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse