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Tote, Verletzte, Vermisste: Feuerdrama in Londoner Hochhaus

Mitten in London brennt ein Hochhaus. Lichterloh, stundenlang. Am Abend verdoppelt sich plötzlich die Zahl der Todesopfer: Zwölf Menschen sterben in den Flammen. Die Polizei rechnet mit weiteren Todesopfern.
Todesfalle in London: Der 24-stöckige Grenfell-Tower steht lichterloh in Flammen. Foto: Jonathan Brady Todesfalle in London: Der 24-stöckige Grenfell-Tower steht lichterloh in Flammen. Foto: Jonathan Brady
London.  Bei einem verheerenden Feuer in einem Hochhaus im Zentrum Londons sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Am Mittwochabend verdoppelte sich die Zahl der bestätigten Todesopfer, zunächst war von sechs Opfern die Rede. Die Londoner Polizei rechnet mit weiteren Todesfällen. Bis zum frühen Mittwochabend waren nach Angaben der Rettungskräfte mindestens 79 Patienten in Kliniken behandelt worden, 18 von ihnen seien in einem kritischen Zustand.

Der Rettungseinsatz wird nach Angaben der Polizei mehrere Tage dauern. Die Ursache des Brands war zunächst unklar. «Wir bleiben hier, bis die Arbeit getan ist. ... Wir planen über Nacht hierzubleiben», sagte ein Sprecher der Londoner Feuerwehr. Der Brand sei noch nicht gelöscht.

Das Feuer war in der Nacht ausgebrochen, am frühen Morgen stand das Gebäude mit 24 Stockwerken im Stadtteil Kensington noch lichterloh in Flammen. Trotz der Katastrophe blieb das Hochhaus bis zum Abend stabil genug, um darin nach eingeschlossenen Menschen zu suchen. Ein Experte überprüfe laufend die Statik des Grenfell Towers, sagte Londons Feuerwehrchefin Dany Cotton. Scotland Yard erklärte auf Anfrage, dass es sich bei der Brandursache nicht um einen Terroranschlag handle.

Das Gebäude wurde 1974 erbaut und war von 2014 bis 2016 saniert worden. In dem brennenden Hochhaus hatte es bereits Beschwerden über unzureichenden Feuerschutz gegeben. Die Baufirma Rydon reagierte schockiert auf den Hochhausbrand. Sie war für die Sanierung des 24-stöckigen Grenfell Towers zuständig. Alle erforderlichen Kontrollen, Bestimmungen im Brandschutz und die sonstigen Sicherheitsstandards seien eingehalten worden, teilte die Firma mit.

Bürgermeister Sadiq Khan versprach umfassende Aufklärung. «Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden.»

Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich nach eigenen Worten «tief betroffen von den tragischen Todesfällen». Die Bundesregierung würdigte den Kampf der Rettungskräfte gegen die Flammen. «Es ist heroisch, wie die Feuerwehr gegen den Brand um das Leben der Menschen, die sich noch in dem Haus befinden, kämpft», sagte eine Regierungssprecherin in Berlin.

Die Einsatzkräfte waren nach eigenen Angaben innerhalb von sechs Minuten am Ort des Geschehens. Demnach ging der erste Notruf um 00.54 Uhr (Ortszeit) ein. Die Crews arbeiteten «unter extrem schwierigen Bedingungen, um Menschen zu retten und den Großbrand unter Kontrolle zu bekommen», hieß es in einem Statement der Feuerwehr. Im Einsatz waren demnach 200 Feuerwehrkräfte und 40 Löschfahrzeuge. Bei dem Einsatz wurden mehrere Feuerwehrleute verletzt. Es handle sich aber um kleinere Verletzungen, sagte Feuerwehrchefin Cotton.

Augenzeugen hatten in der Nacht auf Twitter von Schreien berichtet. Menschen seien aus dem brennenden Gebäude gesprungen. Eltern warfen demnach in ihrer Verzweiflung Kinder aus dem brennenden Hochhaus. Eine Mutter habe ihren Säugling aus dem «neunten oder zehnten Stock» geworfen, sagte eine Augenzeugin der britischen Nachrichtenagentur PA. Ein Mann habe den Säugling gefangen.

Trümmerteile flogen aus dem Gebäude, wie ein dpa-Reporter berichtete. Hin und wieder knallte es in dem Gebäude. Die Polizei sperrte alle Wege weiträumig ab. Einwohner wurden gebeten, die Gegend nordwestlich vom Hyde Park zu meiden. Eine Schule in der Nähe des brennenden Gebäudes blieb geschlossen. Für Bewohner wurden Notfallzentren eingerichtet.

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